Vier Anwälte, darunter die Yale-Absolventin Sari Bashi, arbeiten bei Gisha.

Foto: privat

Bild nicht mehr verfügbar.

Djebalya im Gazastreifen nach einer israelischen Offensive. Die humanitäre Lage in Gaza ist die schlimmste seit 40 Jahren, sagen NGOs.

Foto: Getty/Abid Katib
Die Israelin Sari Bashi kämpft als Anwältin für das Ende der Abriegelung des Gazastreifens. Vor kurzem klagte sie den Staat. Ein neuer NGO-Bericht beklagt die drastische Verschlimmerung der Lage in den Palästinensergebieten.

***
Tel Aviv/Wien - Dem Klischee von einer Yale-Absolventin entspricht Sari Bashi so ganz und gar nicht. Die 32-jährige, in den USA geborene Israelin hat an der Eliteuniversität Jus studiert, arbeitet in Tel Aviv als Anwältin und hat doch von keinem ihrer Klienten jemals Honorar erhalten. Bashi führt eine NGO namens Gisha, die sich dem Kampf um die Rechte der Palästinenser verschrieben hat. Gisha organisiert keine Demos und verteilt keine Flugzettel. Sie setzt auf das Gesetz. Gisha vertritt Palästinenser vor Gericht und richtet Beschwerden an den Obersten Gerichtshof.

Bashi sitzt auf der Terrasse eines schicken Tel Aviver Cafés, der Frühling liegt in der Luft, und sie erzählt von ihrem letzten großen Fall.

Im Oktober 2007 beschloss das israelische Kabinett wegen der Raketenangriffe der Hamas, die Lieferung von Strom und Diesel in den Gazastreifen zu drosseln. Für Gisha ist das eine "kollektive Bestrafung", die Maßnahmen würden israelischem und internationalem Recht widersprechen. Bashi erhob Beschwerde beim Obersten Gerichtshof. Vor kurzem kam die Entscheidung: Die Beschwerde wurde abgewiesen.

"Humanitäre Minimalstandards" würden trotz der Blockade eingehalten, urteilten die Richter. Bei richtiger Einteilung, also nicht für terroristische Zwecke, bliebe genug Strom, um Spitäler zu versorgen. Zudem sei Israel seit seinem Abzug aus Gaza 2005 keine Besatzungsmacht mehr und daher nur im Rahmen des Kriegsrechtes verantwortlich.

Eine gravierende Fehlentscheidung, schimpft Bashi. "Humanitäre Minimalstandards" gebe es im Völkerrecht gar nicht. Und da die Armee die Grenzen, den Luft-, und Seeraum des Küstengebiets kontrolliere, sei Israel "Besatzungsmacht". Vor allem aber: "Die Blockade löst eine humanitäre Katastrophe aus."

Ein am Donnerstag veröffentlichten Bericht einer Gruppe von NGOs rund um Amnesty International gibt Bashi zumindest in diesem Punkt Recht. "Die Situation für die 1,5 Millionen Palästinenser dort ist schlimmer als jemals zuvor seit Beginn der israelischen Besatzung 1967", heißt es in dem Report. Wegen des Zusammenbruchs der Wirtschaft und der Blockade würden Lebensmittel immer teurer werden. 1,1 Millionen Menschen in Gaza sind deshalb laut Amnesty von humanitärer Hilfe abhängig. In Krankenhäusern würde der Strom durchschnittlich acht bis zwölf Stunden am Tag ausgehen.

Israel, das mit der Abriegelung den Druck auf die Hamas erhöhen will, werde die Raketen mit seiner Taktik nicht stoppen, sagt Bashi. "Ich bin sicher naiv, weil ich denke, mit dem Gesetz Druck machen zu können, bis sich das politische System wieder selbst korrigiert." In Kriegszeiten kämen diese Korrekturen eben seltener.

Weitermachen will sie trotzdem. Auch weil sie manchmal gewinnt. 2006 vertrat sie eine Palästinenserin, die einen Studienplatz in Jerusalem erhielt, der die Armee aber die Einreise verweigerte. Bashi kippte das Verbot, und heute ist diese Palästinenserin auf dem besten Weg, ihren Doktor in Chemie zu machen. (András Szigetvari/DER STANDARD, Printausgabe, 7.3.2008)