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Fichtenbauer zählt zu jener nicht gerade großen Gruppe an FPÖ-Mandataren, über die auch aus anderen Parteien Gutes zu hören ist.

Foto: APA/Schlager
Bis vor kurzem hielt Peter Fichtenbauer noch Pressekonferenzen an der Seite seines Parteichefs Heinz-Christian Strache ab, in denen sich der Blaue über die Gleichstellung der Männer in Österreichs Gesellschaft äußerst besorgt gab. Väter, ja vor allem Scheidungsväter, würden systematisch "als zweite Verantwortungsperson" bei der Erziehung ausgeblendet, beklagte da Fichtenbauer etwa.

Pünktlich zum Frauentag erhielt der freiheitliche Justizsprecher, selbst in zweiter Ehe verheiratet und Vater von fünf Kindern, nun einen neuen Job. Seit Freitag ist Fichtenbauer Vorsitzender des neuen Untersuchungsausschusses, der die Amtsmissbrauchsvorwürfe gegen vier Ministerien überprüft. Ins Amt wählten den 61-Jährigen Parteikollegen und Sozialdemokraten. Eine rote Dankesgeste? Jedenfalls hat Fichtenbauer selbst einmal einen Kandidaten der SPÖ unterstützt. Als ORF-Stiftungsrat der Blauen half er im Sommer 2006 mit, Alexander Wrabetz auf den Chefposten am Küniglberg zu befördern.

Formal bringt der Zivilrechtsexperte mit eigener Anwaltskanzlei und Milizoffizier im Rang eines Brigadiers alles mit, was der Leiter eines U-Ausschusses so braucht: Die nötige Übung beim Aktenstudium sowie die Disziplin, zentnerweise Unterlagen zu durchforsten.

In der politischen Praxis war Fichtenbauer, seit 2006 im Nationalrat, jedoch bisher stets treuer Diener seines Herrn. Im Frühjahr 2005 hatte er Heinz-Christian Strache ermutigt, als FPÖ-Obmann zu kandidieren - worauf sich Jörg Haider und dessen Getreue von der Partei als neues oranges Bündnis abspalteten. Mit Haider, sagt Fichtenbauer heute, habe er "nie eine Beziehungsebene gehabt", weil ihm unter der Führung des Kärntners "die Elemente des freiheitlichen Selbstverständnisses zu beliebig wurden".

Dem "Dritten Lager" hat sich der gebürtige Waldviertler, der nun in der Wiener Josefstadt lebt, schon in jungen Jahren zugewendet. Zu Beginn des Jus-Studiums trat Fichtenbauer dem Ring Freiheitlicher Studenten bei, seitdem ist er mit Norbert Steger, der Jahre später Parteichef wurde, "gut befreundet". Im Vorjahr sagte Fichtenbauer zugunsten seines Parteifreundes vor Gericht aus, dass Haider nach einer ORF-Diskussionssendung geweint habe. Seitdem darf Altparteichef Steger Haider jederzeit öffentlich an seine Tränen erinnern.

Ein liberaler FPÖler ist Fichtenbauer dennoch nicht. Wie die Parteispitze fordert er, dass ausländische Straftäter raschest abzuschieben seien, in puncto Islam trägt er "die Linie der FPÖ voll mit", wie er sagt. Es hört sich nur etwas umständlicher an. Nach Moscheen und Minaretten befragt, weicht Fichtenbauer aus. Und spricht lieber über "das Behaglichkeitsgefühl der heimatlichen Bevölkerung, das aufrechtzuerhalten ist". (Nina Weißensteiner/DER STANDARD, Printausgabe, 8.3.2008)