In der abgelaufenen Handelswoche setzte sich der Abwärtstrend an den europäischen Börsen fort. Ohne Überraschung verlief die EZB-Zinssitzung. Das Festhalten am derzeitigen Leitzins von 4% und das beharrliche Abschmettern der Zinssenkungsspekulationen von Jean-Claude Trichet (aufgrund von Inflationsängsten) verhalfen dem Euro zu einem neuen Allzeithoch von USD 1,54.

Im Gleichschritt dazu vergeht fast keine Woche, in der der Ölpreis nicht auf ein neues Rekordhoch klettern würde. Die Erklärung dafür ist nun einerseits gerade mit dem schwachen US Dollar und andererseits mit der nicht Anhebung der Fördermenge der OPEC zu erklären. Diese entschied die Fördermenge von täglich ca. 30 Mio. Barrel beizubehalten.

Nun musste auch die französische Genossenschaftsbank Credit Agricole bei der Vorlage der Gesamtjahreszahlen Farbe bekennen. Trotz der Abschreibungen von EUR 3,3 Mrd. und einem Quartalsverlust bleiben die Anleger gelassen. Neben dem Verlust von EUR 857 Mio. im 4. Quartal konnte man jedoch immerhin einen, nur um 16% verminderten, Gesamtjahresgewinn von EUR 4 Mrd. vorweisen.

Der Logistik- Konzern Deutsche Post legte ebenfalls Zahlen vor. Der Nettogewinn für das Gesamtjahr fiel um 28% auf EUR 1,39 Mio. aufgrund von Wertberichtigungen in der Höhe von EUR 594 Mio. bei der amerikanischen Tochter DHL. Die Valoren notierten unverändert. Das gute Ergebnis half auch den Aktien von Adidas nichts. Die 63%ige Steigerung des Nettogewinnes im 4. Quartal auf EUR 21 Mio. war auf Synergieeffekte mit Reebok im Bereich Einkauf zurückzuführen. Die französische Einzelhandelskette Carrefour konnte bei einer Erhöhung des Umsatzes um 6,8% den Nettogewinn um 1,4% auf EUR 2,3 Mrd. ausbauen. Das schwächere Ergebnis am französischen Heimatmarkt konnte durch höhere Zuwächse im Ausland ausgeglichen werden. Auch hier reagierten die Anleger zurückhaltend.

Die Übernahme des schwedischen LKW-Herstellers Scania durch den VW-Konzern sorgte für Aufsehen. Die Wolfsburger konnten den Anteil auf 68% der Stimmrechtsanteile bei Scania aufstocken. Dabei ist die ganze Sachlage nicht einfach, zumal VW auch 30% an dem Münchner LKW-Hersteller MAN hält und MAN wiederum mit ca. 17% an Scania beteiligt ist. Nachdem VW bei Scania durch eine Sonderregelung vorerst kein Abfindungsangebot an die Minderheitsaktionäre stellen muss, gab es kurzfristige Spekulationen ob man MAN in die Pflicht nehmen könnte ein Angebot zu stellen. Nach den zwischenzeitlichen Hochs ist die Aktie von SEK 170 wieder auf SEK 130 eingebrochen.

In der nächsten Handelswoche bleibt abzuwarten, wie sich die auf der Agenda stehenden Konjunkturdaten entwickeln werden. Dabei sollten der ZEW-Index, die Industrieproduktion und Automobilneuzulassungen in der EU die größte Beachtung finden. Allzu optimistisch Erwartungen sollte man bei dem Hintergrund von steigender Inflation und schleppendem Binnenkonsum jedoch nicht hegen. Derzeit deutet mehr auf ein Unterschreiten der bisherigen Jahrestiefststände hin, als auf einen Rebound.