Die serbische Regierung hat die Unabhängigkeit des Kosovo nicht überlebt. Eine derartige Missbilligung durch Premier Vojislav Koštunica hat Brüssel wohl nicht einkalkuliert. Wenn prowestliche Kräfte nun die Neuwahlen gewinnen, dann wird Serbien die europäischen Integrationsprozesse unabhängig von der Kosovo-Frage fortsetzen, und die Rechnung der EU wird letztendlich dennoch aufgehen. Dann dürften sich die Gemüter mit der Zeit beruhigen. Mit der wirtschaftlichen Prosperität werden die Bürger Serbiens wohl allmählich lernen, mit dem Verlust des Kosovo zu leben. Dann könnte sich auch Brüssel bemühen, die gesamte Region, so bald es geht, in die EU aufzunehmen und so die Aktivitäten der lokalen separatistischen Bewegungen einzudämmen. Wenn aber der patriotische Block gewinnt, dann wird nicht nur für längere Zeit das Thema EU von der Tagesordnung in Serbien gestrichen werden, dann könnten auch die ohnehin angespannten Beziehungen mit dem Westen nur allzu leicht in offene Feindseligkeit umschlagen. Dann wird sich Serbien in ein Loch inmitten der politischen Landkarte der EU und in eine Interessenzone Russlands verwandeln. Dann wird man sich auf einen aktiven Widerstand der Serben im Kosovo gegen kosovarische Institutionen und die EU-Mission sowie eine langfristige Krise mit vereinzelten Gewaltausbrüchen einstellen müssen. Die Berater von Präsident Boris Tadiæ sind hauptsächlich ausgezeichnete Marketingexperten. Ob sie es doch noch schaffen werden, den Spieß für Tadiæ in der Wahlkampagne umzudrehen, ist fragwürdig. Tadiæ hat bisher im Brustton der tiefsten Überzeugung im patriotischen Spiel um die scheinbare Verteidigung des Kosovo mitgemacht. Nun muss er zu radikalen populistischen Mitteln greifen und den Wählern irgendwie beibringen, dass eine Mitgliedschaft Serbiens in der EU nicht einer stillschweigenden Anerkennung des Kosovo gleicht. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.3.2008)