Graz – 50 Kühe im Stall, ein voller Mostkeller, der blankpolierte schwarze Bayer vor der Haustür: Großbauer Franz Steinberger geht’s – alles in allem – nicht wirklich schlecht. In der tiefschwarzen Gemeinde Kumberg, östlich von Graz, lässt es sich leidlich leben. Seit Wochen kommt ihm aber – wie er sagt – die Galle hoch: „Neuwahl? Sou a Bledsinn. Kostet an Haufen Göd und daun? Daun kummen wieder Neue und wolln am Trog obräumen. Und wos ändert sich?“

Steinbergers Frau Gertraud biegt mit einem Kleinwagen in die Hofeinfahrt. Sie war mit der Nachbarin im örtlichen Supermarkt. Ja, sie müsse ihrem Mann recht geben. „Wer zahlt denn a Neuwahl? Wir! Dabei kennen sich die Leit vor lauter Preissteigerungen eh net mehr aus.“ Die Nachbarin nickt erbost und sagt: „Die Teuerung, a Wahnsinn, oba oben wird nur g’stritten.“

Viehhändler Valentin Zsifkovits kommt aus dem Stall und klinkt sich aufgewühlt ins Gespräch ein: „I bin schon so wild, kann ich ihnen sagen. I bin dafür, dass sofort neu gewählt wird. Was die in Wien aufführen, is a Frechheit. Man fühlt sich aber so machtlos, richtig ohnmächtig.“

175 Kilometer nördlich in der 100-Prozent-ÖVP-Gemeinde Gössenberg im Ennstal poltert Bürgermeister Helmut Reinbacher: „Die Bevölkerung ist wirklich angefressen. Statt sich auf die wichtigen Sachen zu konzentrieren, gibt’s nur ein Hickhack.“ Die alte ÖVP-Garde mit Wolfgang Schüssel „soll sich zurückziehen“. Dort müssten „Leut hin, die Sympathie und Ehrlichkeit ausstrahlen, ein Josef Pröll zum Beispiel“.

"Der Pröll käme gut an"

Ähnliches kommt dem schwarzen Ortschef der weststeirischen Gemeinde Modriach, Erich Krammer, in den Sinn: „Wenn’s wirklich zu Neuwahlen kommt, müssten beide weg, Gusenbauer und Molterer. Sonst seh ich keine Chance, dass sich was ändert. Josef Pröll käme bei die Leut sicher gut an. Die sind schon so frustriert, die diskutieren schon gar net mehr über Politik.“

Worauf sich ÖVP und SPÖ bei Neuwahlen einstellen dürfen, prophezeit Gerhard Reinisch, Bürgermeister des südsteirischen ÖVP-Dorfes Freiland: „Bei mir wolln 50 Prozent net mehr zur Wahl gehen. Das haben sie mir schon angedroht. Bei dem Kasperltheater machen wir net mehr mit, hör ich dauernd.“ (Walter Müller/DER STANDARD, Printausgabe, 12.3.2008)