Linz – Das Wetter scheint die Stimmung an der roten Basis widerzuspiegeln. Grau in Grau präsentiert sich der Himmel, tief hängen Regenwolken über dem Linzer Industriegelände. „I kann den ganzen Mist nimma hören“. Thomas Raich dreht sichtlich genervt am Radioknopf, denn eines braucht der Chemiearbeiter im Moment gar nicht: Neue Nachrichten über den Dauerstreit zwischen SPÖ und ÖVP.

„Ich bin echt sauer, ich hab immer Rot gewählt. Jetzt ist mir richtig zum Heulen: Ich muss als Hackler sagen, dass ich nicht mehr Rot wählen werde“, erklärt Raich aufgebracht. Und die Alternativen? „Naja, bevor ich die ÖVP wähle, lass ich mir lieber in den Hals stechen und die grünen Ökos sollen sich im Hybridauto einsperren. Ich werde ganz sicher blau wählen“, stellt der Chemiearbeiter klar. Dafür kommt spontaner Applaus von den Chemie-kollegen.

Die Schicht endet für Voest-Mitarbeiter meist in „Hannis Beisl“. Das kleine Lokal liegt direkt am Parkplatz der Schichtlerbusse. Vom Rauchverbot in Lokalen hält man bei „Hanni“ spürbar wenig. Doch die Luft ist an diesem Vormittag nicht nur wegen der vielen Zigaretten dick. Zwischen Kaffee, Schnaps und dem „Reparaturseidel nach der Hitz in da Bude“ kennen die einst treuen Genossen nur ein Thema.

Kanzler am Ball

„Mei jo, i kann mi no guat erinnern, wie der Gusi während dem Wahlkampf bei uns in der Voest war. Fürs Kreuzerl ist der kleine Mann noch gut genug, jetzt kann i ma den Herrn Kanzler am Opernball anschauen“, ärgert sich Voest-Arbeiter Klaus Peer. „Geh bitte, der kann doch net amoi tanzen“, wirft Hochofen-kollege Thomas Kursleitner nach. So schlimm wie jetzt sei es noch nie gewesen. „... der Kreisky ...“ – am Nachbartisch hebt ein schwer illuminierter Pensionist kurz den Blick. Doch mehr als der Name des roten Über-Kanzlers kommt nicht mehr.

Gegen 14 Uhr öffnen sich dann für die Frühschichtler der Voest die Werkstore. Über Politik will im Schichtbus nach acht Stunden Arbeit keiner mehr reden. „Die Zeiten, in denen die SPÖ noch eine Arbeiterpartei war, sind halt vorbei. Es geht denen heute nur mehr ums Geld, und zwar ums eigene“. Wählen wird Voestler Thomas Kutscherer „beim nächsten Mal sicher die FPÖ“.(Markus Rohrhofer/DER STANDARD, Printausgabe, 12.3.2008)