St. Pölten – Der erste Schritt des Krisenmanagements bei der SP Niederösterreich ist getan: Mit Josef Leitner gibt es seit dem späten Montagabend einen neuen Parteivorsitzenden. Heidemaria Onodi hatte im Landesvorstand ihren Rücktritt angeboten – trotz ihrer Beteuerungen vor den Landtagswahlen, sie werde Parteichefin bleiben. Der Verlust eines Viertels der roten Stimmen ließ ihr aber keine Wahl. Sowohl Onodi als auch Bundeskanzler Alfred Gusenbauer hatten Leitner als neuen Vorsitzenden vorgeschlagen, der Landesvorstand hat ihn anschließend einstimmig gewählt. Und am Ende der langen Analyse habe wieder „echt gute Stimmung“ geherrscht, sagte Leitner am Tag danach im Gespräch mit dem Standard.

Ob Leitner – so wie seine Vorgängerin – auch als Landeshauptmann-stellvertreter zur Verfügung stehen wird, ließ er am Dienstag noch offen: Er werde nächste Woche ein „Personalgesamtpaket“ vorlegen. Dabei muss Leitner heikle Entscheidungen treffen: 15 statt 19 Mandatare und einen statt zwei Landesräte hat die SPÖ in der neuen Legislaturperiode. „Da muss man nicht nur effektive Lösungen finden, sondern auch Lösungen im Sinne der Betroffenen, und das braucht Zeit“, sagt Leitner.

Wiener Neustadts SP-Bürgermeister Bernhard Müller wünscht sich ein „Team, das aus neuen Köpfen besteht“. Auch die Bundes-SPÖ müsse sich fragen, „ob die handelnden Personen auch noch am Puls der Bürger sind“, meint Müller. Sankt Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler sieht in Leitner „eine gute Wahl“.

Neunkirchens SP-Bürgermeisterin Margit Gutterding meint, in ihrer Partei würden zwei Denkmodelle vorherrschen: Jenes, das auf gute Zusammenarbeit mit der VP poche und jenes, das auf kantigen Umgang mit dem Regierungspartner setze. Leitner habe im Parteivorstand zu verstehen gegeben, beides vorzuhaben.

Die FPÖ entscheidet am Donnerstagabend über Personalia, dann tritt der Landesvorstand zusammen. Zu besetzen sind die Stellen von einem Regierungsmitglied und sechs Landtagsabgeordneten, außerdem wird geklärt, wer für Parteichefin Barbara Rosenkranz im Nationalrat nachrücken soll. Für die Grünen stellen sich derlei Fragen nicht: Madeleine Petrovic bleibt Klubobfrau.

Niederösterreichs BZÖ-Chef Peter Staudigl hat hingegen am Dienstag seinen Rücktritt als Landesobmann bekanntgegeben. Die Leitung übernimmt seine bisherige Stellvertreterin Christine Döttelmayer.

300.000 Stimmen für Pröll

Bei der VP sind keine Personalrochaden zu erwarten, die Regierungsmannschaft bleibt gleich. Landesgeschäftsführer Gerhard Karner präsentierte am Dienstag eine Analyse der Wahl, bei der Landeshauptmann Erwin Pröll einmal mehr absoluter Vorzugsstimmenkaiser war: Fast 300.000 Niederösterreicher votierten direkt für ihn – und damit gleichzeitig für die ÖVP.

Meinungsforscher Peter Ulram betonte bei einer Pressekonferenz mit Karner, es gebe keine Bevölkerungsgruppe, bei der die Volkspartei ein Defizit habe. „Sensationell“ sei besonders das Abschneiden bei der Jugend, wo jeder Zweite die ÖVP gewählt habe. Die SPÖ sei auf ihre Kernwähler reduziert und habe ein massives Problem bei den jungen Wählern. Die Freiheitlichen hätten mit ihrer Ausländerpolitik gepunktet und damit sogar die Grünen bei den Jungwählern überholt. (von Andrea Heigl und Gudrun Springer/DER STANDARD, Printausgabe, 12.3.2008)