Einmarsch in Linz: ZDF-Historiker Guido Knopp zeigt "Hitlers Österreich" in zwei Teilen.

Foto: ZDF/Agentur Karl Höffkes
Gerne schmücken sich Zeitgeschichtsdokus mit den Beiworten "noch nie gezeigt" als beliebiges Qualitätssiegel. Guido Knopps ZDF -Zweiteiler "Hitlers Österreich" am Dienstag trägt diese Marke zu Recht. Ganze 90 Minuten trieb der Zeitgeschichtler auf: Der Klagenfurter Forstrat Aurilius H. Mayr hielt die Szenen, die sich abspielten, als Hitler, Göring und Schirach in Kärnten euphorisch begrüßt wurden, mit einer 16-mm-Kamera fest - in Farbe.

Es ist das erste bekannte Farbmaterial, das die Vorgänge im Frühjahr 1938 in dieser Ausführlichkeit darstellt. Präsentiert werden diese Aufnahmen im wilden Stilmix, den es gar nicht gebraucht hätte. Während sich Andreas Novak im erster Teil der 38er-Reihe des ORF ganz der klassischen Zeitgeschichtsdokumentation - und nicht zuletzt auch dem öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag - verpflichtet fühlte, greift Knopp fast nach Belieben in die Trickkiste. Auf Zeitzeugeninterviews folgen inszenierte Szenen, dann wieder 3-D-Animationen, dann Archivaufnahmen und umgekehrt.

Die Zeitzeugen beeindrucken. Der Widerstandskämpfer und STANDARD-Mitgründer Fritz Molden kämpft mit den Tränen, als er an seinen weinenden Vater denkt, wie der vom Rücktritt Schuschniggs und damit vom Ende Österreichs erfährt. Zu Wort kommen die "unbekannten" Opfer und Mitläufer, prominente Zeitzeugen wie Georg Kreisler oder Dietmar Schönherr und Historiker wie Brigitte Hamann und Gerhard Botz. (prie/DER STANDARD; Printausgabe, 12.3.2008)