Wien - Seit Jahren wird es gefordert, die Regierung hatte sich bisher stets nur vage über eine mögliche Finanzierung geäußert und eine Entscheidung hinausgeschoben. Doch nun soll es tatsächlich soweit sein: Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und Vizekanzler Wilhelm Molterer verkündeten am Mittwoch nach dem Ministerrat, Österreich werde ein Simon-Wiesenthal-Zentrum bekommen. Der SPÖ-Chef sprach von einem wesentlichen Beitrag zur Holocaust-Forschung, der VP-Obmann von einem "Mahnmal für das niemals wieder, für das niemals vergessen".

Finanzierungsdetails noch offen

Das Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien soll ab 2011 im Palais Strozzi in der Wiener Josefstädterstraße untergebracht werden, die laufenden Betriebskosten übernehmen Bund, Stadt Wien und der Trägerverein zu je einem Drittel. Vereins-Vorstand Anton Pelinka sprach von einem "großen Schritt an einem symbolisch bedeutsamen Tag". Die Details der Finanzierung sind allerdings noch offen - ursprünglich war man von 2,5 Millionen Euro an jährlichen Betriebskosten ausgegangen.

Beide Regierungsspitzen betonten, dass Österreich sich viel zu lange nur als Opfer des Nationalsozialismus gesehen haben. Viele hätten jedoch den Anschluss bejubelt und aktiv an den einzigartigen Menschheitsverbrechen teilgenommen, betonte Gusenbauer. Auch Molterer sagte, dass Österreich sich lange nicht eingestanden habe, nicht nur Opfer gewesen zu sein. Dabei seien all zu viele zu Tätern geworden.

Gusenbauer wies auf die aktuelle Situation 1938 hin und erinnerte, dass Österreich zur Zeit des Anschlusses schon lange keine Demokratie sondern eine autoritäre Diktatur gewesen sei. Molterer nahm als Lehre aus der damaligen Lage, dass Parteiinteressen über jene des Staates gestellt worden seien. Hätten alle demokratischen Kräfte zusammengearbeitet, wäre es nicht zu den Ereignissen gekommen.

Gemeinsames vor Trennendes

Der VP-Chef warnte von einem latenten Gefühl von Argwohn und Misstrauen. Man möge doch das Gemeinsame vor das Trennende stellen und ein selbstbewusstes und einiges Europa bauen, warb der Vizekanzler für den EU-Vertrag von Lissabon. Gusenbauer unterstrich, dass man trotz aller unterschiedlichen Auffassung das gemeinsame Ziel vor Augen behalten müsse. Nur eine offene und demokratische Gesellschaft sei immun gegen alle Formen des Totalitarismus. (APA/red)