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Grafik: APA/Gfk
Wien - 95 Prozent der österreichischen Jugendlichen zwischen zehn und 19 Jahren kennen die Begriffe HIV und Aids. Nur ein Drittel allerdings haben beim Ausgehen immer ein Kondom dabei. Gleichzeitig gibt es ein hohes Diskriminierungspotenzial gegenüber HIV-Infizierte. Gar 61 Prozent der Jugendlichen würden einer oder einem HIV-positiven Bekannten keinen Wangenkuss geben. Das zeigt eine aktuelle von GfK durchgeführte Umfrage, die heute in Wien präsentiert wurde.

Infektionsrisiken sind bekannt

"Wir haben 557 Schüler im Alter zwischen zehn und 19 Jahren online befragt. Das hat den Vorteil, dass der Interviewer-Einfluss wegfällt", sagte Meinungsforscher Rudolf Bretschneider. Das Wissen über die Infektionsrisiken ist groß: 93 Prozent gaben Geschlechtsverkehr ohne Kondom als größte Gefahr an. Dann kam der Spritzentausch beim Drogenkonsum (85 Prozent), Bluttransfusionen (82 Prozent) und die Übertragung von HIV von der Mutter auf das Kind im Rahmen der Schwangerschaft (71 Prozent).

Angst vor sozialer Nähe

Freilich, 13 Prozent gaben fälschlicherweise noch immer "Insektenstiche", zwölf Prozent "Küssen", acht Prozent die Benutzung öffentlicher Toiletten, sechs Prozent das Zusammenwohnen mit einem HIV-Infizierten und je fünf Prozent Anhusten oder gemeinsames Essen als Gefahrenmoment an. Bretschneider: "Das deutet auch die Angst vor sozialer Nähe mit HIV-Infizierten an."

Nicht gemeinsam Essen und Computerspielen

Trotz des Wissens über Aids und HIV gibt es unter den Jugendlichen Probleme im Umgang mit Betroffenen. Der Meinungsforscher: "Es ist noch viel zu tun, vor allem wenn es um das erhebliche Diskriminierungspotenzial geht." Eher gruselige Ergebnisse: 61 Prozent haben Angst vor einem Wangenkuss. 42 Prozent der Jugendlichen würden mit einer oder einem HIV-Infizierten nicht gemeinsam Essen gehen und 36 Prozent wurden mit einem betroffenen Freund nicht gemeinsam Computer spielen. Da stellt, sich laut Bretschneider aber auch gleich die Frage, ob hier von Freundschaft überhaupt noch gesprochen werden könne.

Nicht einmal die Hälfte mit Kondom

"Safer Sex": Nur 35 Prozent der 15- bis 19-Jährigen haben immer ein Kondom dabei, wenn sie ausgehen. Unter denjenigen, die bereits Geschlechtsverkehr hatten, sind es 45 Prozent. Von denjenigen, die kein Kondom verwenden, geben 74 Prozent an, sie würden andere Verhütungsmittel benutzen - sie schützen allerdings nicht vor HIV. Der Obmann der Aids-Hilfe Wien, Dennis Beck: "Das Wissen in Österreich über Aids und HIV ist relativ gut. Aber Wissen schützt vor Infektionen nicht."

HIV Infizierte zu spät in Behandlung

In Österreich leben wahrscheinlich 10.000 bis 15.000 HIV-Positive. 3.500 Patienten befinden sich in den Behandlungszentren in regelmäßiger Betreuung. 20 Prozent davon sind über 50 Jahre alt. Armin Rieger, Leiter der entsprechenden Ambulanz an der Universitäts-Hautklinik in Wien (AKH): "Noch immer kommt etwa ein Drittel der Patienten mit der neuen Diagnose HIV zu spät in Behandlung. 40 Prozent bekommen trotz der sofort eingeleiteten Therapie noch immer Aids." Gerade der Ausbruch des Vollbildes der Erkrankung wäre aber zu verhindern.

Informationskampagne für Jugendliche

Die Umfrage ist Startpunkt einer neuen Informationsinitiative, welche der Pharmakonzern Pfizer unterstützt und die gemeinsam mit der Österreichischen Aidsgesellschaft und den Aids-Hilfen durchgeführt wird. Zentraler Bestandteil ist eine neue auf Jugendliche zugeschnittene Homepage safe4fun.at . Immerhin ist das Internet für die meisten Jugendlichen "das" Informationsmedium - auch in Sachen HIV und Aids. (APA)