Wien – Feuer im Theater ist seit 1881 ein in das Wiener Gedächtnis gebranntes Trauma. Die Ringtheaterkatastrophe glost bis heute nach. Nun zünden die Wiener Choreografin Krõõt Juurak und die Schweizerin Laura Kalauz in ihrem Stück "Burning Down the House" zum Beginn des imagetanz-Festivals im brut auch noch das Theater als Metapher an.

Die beiden jungen Frauen auf der Bühne sehen auffällig harmlos aus – das macht sie verdächtig. Ihre Fantasie, die Vorhänge mit Benzin zu tränken und abzufackeln, beruhigt nicht wirklich. Sie kleiden ihre Pyromanie in Nachdenklichkeit und kündigen ihr Verschwinden an: "Ich fühle mich unsichtbar." Vorsichtig staksen sie umher. Kalauz versucht einen unsichtbaren Stepptanz.

Ein Stück schwarzen Vorhangs und ein zarter Plastiksack werden animiert und kämpfen gegeneinander. Unsichtbarer Schrecken verbreitet sich in der Szenerie. Das Theater wird zum Geisterhaus. Die beiden Performerinnen beginnen einander zu schocken: Drohung, Andeutung, eine Ohrfeige. Angst und Lust tanzen miteinander, bis Juurak laut grübelt: "Ja, ich fühle mich seltsam." Dann kracht und knackt es, Explosionen, Autos, Feuer – die beiden Frauen ducken sich und jagen ziellos flüchtend über den Tanzboden.

Juurak erzählt eine gruselige Verstümmelung des Grimmschen "Märchens von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen". Das lernte er ja erst, als ihm seine Prinzessinnen-Gemahlin kaltes Wasser samt Fischen ins Bett schüttete. Die Nüchternheit dieses Abschlusses verbindet sich mit der lapidaren Anmerkung der Tänzerinnen, die Performance sei jetzt zu Ende und: "Das Haus steht immer noch."

Aber die Gespenster der Bühne, die schaurige Leiche des Schauspielens, das hochmütige So-tun-als-ob, der widerliche Totentanz künstlicher Emotionen, dieses unsägliche Theatern des Theaters ziehen sich erschreckt zurück. Jetzt erst verschwinden die beiden Ghostbusters Juurak und Kalauz – im Dunkel ihres glorreichen Sieges. (Helmut Ploebst / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.3.2008)