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Weltmeister Raikkönen setzte mit dem neuen Ferrari-Modell die Pace.

REUTERS/Steve Holland
Melbourne - Formel-1-Weltmeister Kimi Räikkönen hat am ersten Trainingstag für den WM-Auftakt in Melbourne die schnellste Zeit erzielt. Mit 1:26,461 Min. fuhr der Finne in seinem Ferrari am Freitagvormittag Tagesbestzeit vor Vizeweltmeister Lewis Hamilton. Der junge McLaren-Fahrer war dafür in der zweiten 90-Minuten-Session Schnellster. Bei heißen und extrem windigen Bedingungen zeigte auch Red Bull Racing eine erstaunlich starke Vorstellung.

Auf dem zunächst wie immer schmutzigen und rutschigen Straßenkurs im Albert Park, auf dem am kommenden Sonntag (5.30 MEZ) der Auftakt zur Weltmeisterschaft 2008 erfolgt, hatten viele Piloten beim ersten echten Test ohne die nun verbotene Traktionskontrolle ihre liebe Not. Es gab viele Dreher und Ausrutscher, die aber alle folgenlos blieben. Raikkönens Bestzeit lag rund 2,3 Sekunden über dem seit 2004 von Michael Schumacher gehaltenen Rundenrekord von 1:24,125 Min.

Demonstration der Spitzenteams am Vormittag

Am Vormittag waren die Ferrari und McLaren um fast zwei Sekunden schneller als der Rest des 22 Autos umfassenden Feldes. Trotzdem gaben sich der Finne und Neo-Teamchef Stefano Domenicali unzufrieden. "Unser Set-Up am Nachmittag war wirklich nicht gut", gab sich Räikkönen kritisch. Vizweltmeister Hamilton kam im Nachmittagstraining, in dem der Italiener Giancarlo Fisichella als 9. im Force India überraschte, bis auf ein Zehntel an den Finnen heran. "Wir haben da aber am Qualifikations-Setup gearbeitet", gab Teamchef Ron Dennis zu.

Ähnliches wird auch bei Red Bull Racing der Fall gewesen sein. Denn der australische Lokalmatador Mark Webber, schon am Vormittag als 5. schnellster Nicht-Ferrari- oder McLaren-Fahrer, lag am Nachmittag bei 36 Grad Luft- und 48 Grad Streckentemperatur bis drei Minuten vor Schluss sogar in Führung, ehe ihn Hamilton mit weichen Pneus doch noch klar auf Platz zwei verwies.

Starker Auftritt von RBR

Weil zudem auch David Coulthard auf Platz fünf fuhr, bestätigte der austro-englische Rennstall die starken Leistungen der Wintertests. Dabei hatte der durch seine haifischflossenartige Motorhaube auffällige, neue RB4 erst am Vorabend den letzten Crashtest bestanden und eine Stunde vor dem ersten Training die Freigabe bekommen. "Ein guter Tag für uns. Vor allem weil der RB4 mit dem heftigen Wind, bei dem der RB3 immer Probleme hatte, gut zurechtgekommen ist", freute sich Teamchef Christian Horner.

Ob RBR tatsächlich den Riesenschritt an die Spitze der vier gleich stark eingeschätzten und noch aus BMW, Williams und Renault bestehenden Verfolgergruppe gemacht hat, wird man frühestens Samstag im dreiteiligen Qualifikationstraining sehen. "Heute zählt gar nichts. Aber übers Jahr gesehen wollen wir ganz sicher mit den großen Buben spielen. Und das ist für ein junges und unabhängiges Team eine Riesen-Herausforderung", so Horner.

Berger befürchtet harte Rennen

Ein starker RB4 würde auch das Schwesternteam Toro Rosso freuen. Das Team von Gerhard Berger wird ab dem 5. Saisonrennen exakt dieses Auto selbst einsetzen können. "Mit unserem alten Auto in die WM zu starten, war die richtige Entscheidung. Aber wenn man beim ersten Rennen dann die neuen Autos sieht, ist das schon frustrierend", gab Berger zu.

"Bis vor zwei Tests waren wir noch gut dabei. Aber während die neuen Autos nun bereits gut funktionieren, bekommen wir für unser altes keine Modifikationen mehr", erklärte der Tiroler. "Das werden harte vier Rennen für uns", fürchtet Berger. Was der RB4 aber wirklich drauf hat, werde man ohnehin erst am Samstag sehen. "Das ist die Stunde der Wahrheit!"

Neues gibt es auch von der Nebenfront. Bernie Ecclestone wäre offenbar bereit, Melbourne den Grand Prix zu reduzierten Kosten zu überlassen. An seinem Wunsch nach einer 19.00-Uhr-Startzeit und damit einem Flutlichtrennen hält der Formel-1-Zampano aber eisern fest und droht weiterhin mit dem Entzug des Rennens.

Die Australier haben wegen des europäischen TV-Marktes bereits diesmal die Beginnzeit des Rennens auf 15.30 Uhr Lokalzeit nach hinten verlegt und wären auch bereit, 2009 erst um 17.00 Uhr zu fahren. Nur wenn die Regierung von Victoria Millionen zuschießt und zudem die Landesgesetze ändert, wäre aber auch ein Flutlichtrennen zu einer noch späteren Uhrzeit möglich.

De la Rosa Gewerkschafts-Boss

Zum neuen Vorsitzenden der Fahrer-Vereinigung (GPDA) Pedro de la Rosa gewählt, der Testpilot von McLaren-Mercedes folgt Ralf Schumacher. Die GPDA kümmert sich vor allem um Sicherheitsfragen. (APA/red)

ERGEBNISSE

  • 1. Session: 1. Kimi Räikkönen (FIN) Ferrari 1:26,461 Min. (220,802 km/h) - 2. Lewis Hamilton (GBR) McLaren-Mercedes 1:26,948 - 3. Felipe Massa (BRA) Ferrari 1:26,958 - 4. Heikki Kovalainen (FIN) McLaren-Mercedes 1:27,114 - 5. Mark Webber (AUS) Red Bull-Renault 1:28,263 - 6. Fernando Alonso (ESP) Renault 1:28,360 - 7. Robert Kubica (POL) BMW-Sauber 1:28,579 - 8. Timo Glock (GER) Toyota 1:28,913 - 9. Sebastian Vettel (GER) Toro Rosso-Ferrari 1:28,957 - 10. Jarno Trulli (ITA) Toyota 1:29,014. Weiter: 13. David Coulthard (GBR) Red Bull-Renault 1:29,301 - 14. Sebastien Bourdais (FRA) Toro Rosso-Ferrari 1:29,363

  • 2. Session: 1. Hamilton 1:26,559 (220,552 km/h) - 2. Webber 1:27,473 - 3. Massa 1:27,640 - 4. Kovalainen 1:27,683 - 5. Coulthard 1:28,037 - 6. Raikkönen 1:28,208 - 7. Jarno Trulli (ITA) Toyota 1:28,292 - 8. Nico Rosberg (GER) Williams-Toyota 1:28,352 - 9. Giancarlo Fisichella (ITA) Force India-Ferrari 1:28,469 - 10. Glock 1:28,582. Weiter: 18. Vettel 1:29,193