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Die Jubelmeldung kommt dieses Mal aus dem Innenministerium und betrifft die Elektroschockwaffe Taser, mit der während eines zweijährigen Probebetriebs "53-mal vor allem psychisch kranke und aggressive Täter in ganz Österreich überwältigt werden konnten." Kein Wunder, dass Herr Hannes Gulnbrein von der Kampfgruppe Cobra über diese "effektive Waffe, die an und für sich als nicht gesundheitsschädigend gilt", ins Schwärmen gerät. Was das "an und für sich" genau bedeutet, weiß ich nicht, was ich aber sehr wohl weiß, ist, dass die UNO (und damit ist nicht das Kartenspiel gemeint) den Einsatz von Tasern als "eine Form von Folter" bezeichnet hat. Weiters wies die UNO darauf hin, dass nach Taser-Einsätzen allein in den USA und Kanada bereits 300 Menschen gestorben sind. Aber vielleicht liegt’s ja auch an der besonders schlechten Qualität des Stroms dort, hierzulande ist man mit dem Gesundheitszustand der "getaserten" Personen jedenfalls zufrieden. Es heißt nicht umsonst in unserer Bundeshymne: "Land am Strome."

Damit der Taser, der 50.000 Volt durch den Körper des Getroffenen jagt, nicht in falsche Hände gerät, darf er in Österreich nicht an Privatpersonen verkauft werden. Behauptet zumindest das Innenministerium und beweist damit einmal mehr, dass dort viele Ahnungslose sitzen. Über Online-Shops mit Namen, die an Titel schlechter Actionfilme erinnern, kann man nämlich bequem von zu Hause aus nicht nur "Tränengas, Teleskopschlagstock, Pfefferspray und Armbrust" bestellen ("Kein Mindestbestellwert! Kein Mindermengenzuschlag!"), sondern auch "Elektroschocker mit bis zu 750.000 Volt starken Blitzentladungen". Freundlicherweise findet sich neben dieser Produktbeschreibung aber der Hinweis: "Jeder Elektroschock von über einer Sekunde Dauer kann einen Gegner zu Fall bringen und somit zu Sturzverletzungen führen!" Ein Tipp an den Innenminister: Bitte alle Polizisten, die hinkünftig mit dem Taser auf uns schießen, mit ausreichend Verbandszeug ausstatten!

Weil wir schon bei den Absurditäten des Alltags sind: Gerade heuer, wo landauf, landab des 70. Jahrestags des Anschlusses Österreichs an Hitlerdeutschland gedacht wird, finde ich es passend, dass viele Internet-Anbieter mit dem Slogan werben: "Anschluss gratis." Fehlt nur der Zusatz: "Sagen Sie Ja."

Nicht "Ja zu A", sondern "Ja zu H" sagte am 15. März 1938 der von Hitler zum Reichsstatthalter ernannte österreichische Bundeskanzler Arthur Seyß-Inquart, als er während der Kundgebung auf dem Heldenplatz brüllte: "Wir danken dem Führer! Wir sagen Dank, der restlose Liebe und bedingungslose Treue ist. Mein Führer! Wohin immer der Weg führt: Wir folgen nach!" (Kurt Palm, ALBUM/DER STANDARD, 14/15.02.2008)