Cover: Brandstätter
Viele meiner Kollegen waren Macher. Und Gemachtes ist leichter nachzuvollziehen. Ich war ein Wesen, das aus der Müdigkeit kam. Vielleicht kommen auch die Maßliebchen von dort? Während viele meiner Kollegen Flüsse ausmaßen, Seen, Tiefebenen, Historienbilder, Häuser und Herzen, zu schweigen von den Wegen, die zurückzuführen hätten (ins Paradies), schwang ich mich auf den schwarzen Schimmel, um hinter die sieben Berge zu entkommen, ins Schneewittchenland sozusagen", schrieb der Schweizer Schriftsteller Gerhard Meier in seinem Roman Land der Winde. Wie sein literarischer Wahlverwandter Robert Walser geht auch Meier davon aus, dass seine Texte "in den Wind" geschrieben sind, dass die Kunst, das Leben überhaupt, als das Hauchhafte, Vergängliche, Sichwandelnde anzusehen sind. Um Wind, Wasser, den Wechsel der Jahreszeiten und die Natur als Gestalterin und Zerstörerin geht es auch in Eva Grubers wunderbarem Fotoband Ein Jahr am Fluss . Eineinhalb Jahre lang platzierte Gruber an der Schwarza im Höllental kleinere Objekte, aber auch großflächige Bilder aus Schnee, Eis, Steinen, Blumen, Weidenruten, Schwemmhölzern, Zweigen, Erde und Laub. Mehr als 300 Gestaltungen, Tierfiguren, "Schneeschriften, Steinnotizen, Beerenmosaike, Zweigverstrickungen" (wie André Heller im Vorwort schreibt) entstanden so am Fuße der Kalksteinfelsen zwischen Rax und Schneeberg im Laufe und mit der Zeit. Öffentlich zugänglich, unauffällig und dem Verfall preisgegeben. Oder der Veränderung? Etwas mehr als 100 Fotos ihrer Objekte hat Eva Gruber für den vorliegenden Band ausgewählt, nach Jahreszeiten sortiert, mit Haikus (unter anderem von Matsuo Basho) ergänzt und vermöge feiner Texte kommentiert. Konstant bleibt der Ort, das Fließen der Schwarza, der Rest sind feinste Veränderungen, Nuancen und ein genauer Blick für die Rhythmen der Natur und die kreisende (Spiral-) Bewegung des Lebens. Manchmal schwingt in den Fotos eine leise Melancholie mit, aber eine der guten, zuversichtlichen Art. Es ist viel Licht in diesem Buch – und Liebe: zur Natur, dem Leben und dem Höllental. (Stefan Gmünder, ALBUM/DER STANDARD, 14/15.02.2008)