Wien - Immer lächelnd, stets verbindlich, nie schnoddrig: Werner Faymann ist so nett, dass er schon wieder unheimlich ist. Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl soll froh gewesen sein, als er seinen immer mächtigeren Stadtrat im Vorjahr in der Bundesregierung angebracht hat. Nun, heißt es in der SPÖ, müsse sich Kanzler Alfred Gusenbauer vor dem Ehrgeiz des slicken 47-jährigen aus Wien-Liesing in Acht nehmen. Was Faymann natürlich dementiert.

Die Konstellation ist pikant: Mit Gusenbauer ist Faymann seit seiner Zeit in der sozialistischen Jugend ebenso verbandelt, wie mit Bundesgeschäftsführer Joe Kalina und Frauenministerin Doris Bures. Mindestens genauso förderlich für die Karriere - vom Studienabbrecher (Jus) zum Wohnbaustadtrat und schließlich Verkehrsminister und Regierungskoordinator - sind die Kontakte zu Medienmachern: Österreich- und News-Erfinder Wolfgang Fellner ist ein anderer alter Freund, Krone-Chef Hans Dichand ein echter Vertrauter. Und zum strahlenden Image trug wohl auch bei, dass Faymann in seiner Rathauszeit Zeitungen lukrative Wohnbeilagen vermittelt hat.

Ins Schussfeld gerät der mit der SP-Gemeinderätin Martina Ludwig verheiratete Familienvater (zwei Töchter), der Fettnäpfen geschickt ausweicht, nie wirklich - da mag manche seiner Personalentscheidungen noch so nach Postenschacher riechen. Die Misere der Verkehrspolitik hat Faymann erkannt ("Fahren auf dem Schienennetz des Kaisers"). Ob er daraus auch die richtigen Schlüsse zieht, muss der Ressortchef noch beweisen. Zu sehr nach "Wunschkonzert" (der Verkehrsplaner Hermann Knoflacher) klingen seine Vorgaben: Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider bekommt den umstrittenen Koralmtunnel, den wichtigeren Semmeringtunnel durfte der Niederösterreicher Erwin Pröll hingegen weiter verzögern. An die Pkw-Maut zur Eindämmung der Autolawine wagt sich Faymann - weil unpopulär - auch nicht heran.

Faymann zettelt eben keine offenen Kriege an. Und steht am Ende doch oft als Sieger da. (Gerald John/DER STANDARD, Printausgabe, 15.3.2008)