Wien/Lhasa – „Man hat uns gesagt, wir sollen das Hotel nicht verlassen.“ Ein deutscher Tourist berichtete telefonisch von den Unruhen, die am Freitag abrupt die Reisepläne vieler Westeuropäer und Amerikaner zunichte machten: „In Lhasa ist alles geschlossen – Restaurants, Cafés und Geschäfte. Man sieht nur noch Soldaten und Polizisten, nichts weiter.“

Ein französischer Tourist sagte, er sei auf dem zentralen Platz von Lhasa gestanden, als „jede Menge Polizisten eintrafen. Wir haben in der Menge der Demonstranten weiße Fahnen gesehen“. Internationale Tibet-Initiativen in Europa und den USA erhielten Berichte von Reiseunternehmen, wonach neben dem Heiligtum Yokhang im Zentrum Lhasas die drei großen Klöster Drepung, Ganden und Sera für Besucher gesperrt seien. Die US-Initiative „International Campaign for Tibet“ zitierte einen Reiseleiter: „In Lhasa herrscht eine Atmosphäre aus Furcht und Spannung.“

Reiseunternehmer in Wien und Graz, die auf Tibet spezialisiert sind, waren am Freitag überrascht von der Entwicklung. Von österreichischen Reisenden, die sich derzeit in Tibet aufhielten, war ihnen aber nichts bekannt. Die Saison beginne erst im April oder Mai, hieß es, jetzt sei es noch zu kalt. In Lhasa liegt die Temperatur derzeit tagsüber bei sechs bis zwölf Grad. Touristen reisen gewöhnlich über den Flughafen in Kathmandu in Nepal an und erhalten dort ein Visum für Tibet. Reisen nach Tibet haben mit dem Bau der Eisenbahnlinie nach Peking noch zugenommen. Viele Touristen nutzen sie als Route für die Rückreise. (red, erl, AFP/DER STANDARD, Printausgabe, 15./16.3.2008)