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Sensibilisiert die Dienstnehmer der Rewe Group für die Gefahren der Korruption: Vorstand Werner Wutscher.

Foto: APA/Alina Parigger
"Aufklärung" sei das beste Mittel, um Fällen von Wirtschaftskriminalität und Korruption vorzubeugen. Dieser Meinung ist Werner Wutscher, Vorstand der Rewe Group Austria, die momentan ein umfangreiches Antikorruptionssystem einführt. Man wolle der Verantwortung "als Marktführer im heimischen Lebensmittelhandel" gerecht werden und sei sich seiner Vorbildfunktion innerhalb der heimischen Wirtschaft bewusst.

Neuer Verhaltenskodex

Interessenkonflikte aufgrund von Nebentätigkeiten oder Beteiligungen, Spenden und Sponsoring nennt Wutscher als mögliche Quellen persönlichen Fehlverhaltens. In einem ersten Schritt haben alle Führungskräfte der ersten und zweiten Ebene unter dem Rewe-Dach einen entsprechenden Kodex unterschrieben und unterwerfen sich damit in "entsprechenden arbeitsrechtlichen Sanktionen, wenn die Vereinbarung nicht eingehalten wird".

Zweitens erhielten sie eine Schulung, in der "vor allem sensibilisiert wurde", skizziert Wutscher die Grundidee. Über die Filialleiter würden derzeit auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den einzelnen Geschäften umfassend informiert.

Auch ein eigener Antikorruptionsbeauftragter sei eingesetzt worden: Konzernpersonaldirektor Johannes Zimmerl nimmt Anfragen und Hinweise im Zusammenhang mit rechtswidrigen Vorgehensweisen im Unternehmen vertraulich entgegen, versichert Vorstand Wutscher. Informanten hätten keinesfalls Nachteile zu befürchten. Auch die Lieferanten seien bereits über die Maßnahmen informiert. Deren Ansprechpartner ist Vertrauensanwalt Rainer Buchert, der schon für Großkonzerne wie die Deutsche Bahn AG und die Volkswagen AG tätig war.

"Natürlich werden wir kriminelle Energien nicht generell ausschließen können", so Wutscher. Das Signal, das sein Unternehmen mit der aktuellen Kampagne setze, hält er aber auf jeden Fall für überaus wichtig. "Es geht uns darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem klar ist, dass eine Kultur der Integrität, Ehrlichkeit und Transparenz herrscht, in der die Versuchung, gegen die Regeln zu verstoßen, möglichst gering ist." Vor allem sollen seine Mitarbeiter merken, "dass wir sie ernst nehmen". Das sei das beste Mittel, um sie langfristig an die Werte des Konzerns zu binden.

Ob die Dienstnehmer der verschiedenen Rewe-Handelsfirmen nun im Sinne der Motivationsförderung durchwegs in den Genuss der Mitarbeiterbeteiligung kommen - so wie es seit diesem Jahr erstmals bei Bipa der Fall ist -, behält sich Wutscher vor. "Derzeit gibt es keine Pläne, wir schauen aber sehr genau, wie sich das bei Bipa entwickelt."

Unregelmäßige Schulung

Wie oft und wie umfangreich die Antikorruptionsschulungen künftig stattfinden werden, sei ebenfalls offen. "Die ersten Schulungen für unsere Führungskräfte haben das Ausmaß von einem Tag nicht überschritten", was auch in deren Vorwissen zum Thema begründet sei. "Man wird sehen, ob sich im Lauf der Zeit neue Notwendigkeiten und Schwerpunkte ergeben." (Bernhard Madlener, DER STANDARD, Printausgabe, 15./16.3.2008)