Einsam soll für Singles und Alleinreisende nur die Bucht sein - hier auf der griechischen Insel Zakynthos.

Foto: www.sommer akademie.at
Wer heuer auf der Wiener Ferienmesse oder auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin Spezialveranstalter für Singlereisen suchte, kam ohne einen einzigen Prospekt nach Hause. Eine singuläre Bestandsaufnahme ist das nicht, obwohl mittlerweile rund ein Fünftel der Österreicher in den Sommermonaten allein unterwegs ist - Geschäftsreisen sind dabei gar nicht berücksichtigt.

Praktisch alle großen Reiseveranstalter halten daran fest, Programme für Singles aus dem Bestandsprogramm auszukoppeln. Nicht etwa weil man die Zielgruppe verkennt, sondern weil man sie nicht definieren kann: Reisende Singles sind keineswegs mit Alleinreisenden gleichzusetzen; Letztere reisen vorwiegend bewusst ohne den vorhandenen Partner, um sich eine Auszeit zu gönnen. Aber nicht einmal "die Singles" wollen Reisen zwangsläufig zur Partnersuche unter Palmen machen.

Wer "echte Singlereisen" anbietet - also solche, die Paare gar nicht erst mitnehmen und die über ein zarte Bande förderndes Programm verfügen -, läuft Gefahr, als "Single-Enklave" wahrgenommen zu werden. Andererseits befriedigen große Veranstalter mit nicht verrechneten Einzelzimmerzuschlägen in der Nebensaison Bedürfnisse der heterogenen Gruppe ebenso wenig.

Ein einziger gemeinsamer Nenner kann trotz aller Emanzipiertheit der Alleinreisenden festgemacht werden: Oft braucht man eine "gute Ausrede" dafür, ohne vertraute Begleitung aufbrechen zu wollen oder zu müssen.

Der Studienreiseveranstalter Studiosus etwa hat diese Argumente parat, aber nicht nur durch ein forderndes Programm, sondern auch strukturell. Rund 1000 Routen in mehr als 100 Länder werden bereits ausschließlich für Alleinreisende angeboten, die dann natürlich mit anderen reisen. Bei den Angeboten, die gesondert - in der Rubrik "Me & More" - gelistet werden und somit auch auffindbar sind, verlässt man sich nicht darauf, dass die Reisegruppe eventuelle zwischenmenschliche Defizite behebt. Wer nichts oder nur wenig von den Mitreisenden erfahren will, bekommt wenigstens ausreichend Input von den professionellen Reiseleitern. Die Übernachtungen sind bereits immer auf Basis Einzelzimmer berechnet, was man sich aufgrund der gehobenen Preisstruktur allerdings durchaus erwarten darf.

So wie das Segment der Studienreisen hat sich auch die "Kreativreise" als bevorzugter Begleiter für Alleinreisende herausgestellt. Die rund 80 Kurse (davon 17 neue) der Sommerakademie auf der griechischen Insel Zakynthos haben sich bislang als gute "Ausrede" für Einzelteilnehmer bewährt. Vor allem die Mischung ist für Singles gleichsam wie für die sonst in einer Partnerschaft lebenden Erholungsbedürftigen praktikabel: Man bezahlt einmal einen Pauschalbetrag und kann dann das nutzen, wozu man gerade Lust hat - gruppendynamische Resozialisierungsversuche wie bei "echten Singlereisen" werden jedenfalls zu keiner Zeit angestrebt.

Auffällig ist, dass dieses Angebot zu zwei Dritteln von Frauen genutzt wird. Das hängt weniger damit zusammen, dass Männer Aquarellkurse verschmähen, als vielmehr mit gewachsenen Strukturen der Akademie: Eine allein reisende Frau, die Bogen schießt, tanzt und Freitauchkurse belegt, hat erst gar keine Zeit, Anbandlungstexte abschlägig beantworten zu müssen. Das sieht hier jeder ein.

Zum ersten Mal aber sieht sich die Sommerakademie mit einer Zielgruppe konfrontiert, die sich ausgerechnet für die Vorsaison und besonders für den Juni interessiert: Denn auch die Fußball-EM-Waisen muss man heuer zu den Alleinreisenden zählen. (Sascha Aumüller/DER STANDARD/Printausgabe/15./16.3.2008)