Israel steht in den kommenden Wochen im Zeichen seines 60. Gründungsjahrestages, der im Mai gefeiert wird. Als erste prominente Gratulantin stellte sich am Sonntag Angela Merkel ein. Die deutsche Bundeskanzlerin setzt während ihres dreitägigen Besuchs außergewöhnliche Signale. Gleich nach ihrer Landung wurde Merkel südwärts in die Negev-Wüste weitergeflogen, wo Israels legendärer Staatsgründer und erster Ministerpräsident David Ben Gurion begraben liegt. Schon im Vorfeld hatte Merkel betont, dass Israels Existenzrecht für Deutschland „Staatsräson“ und „eine Konstante deutscher Politik“ sei: „Das war bei allen meinen Vorgängern so, das ist für mich als Bundeskanzlerin so, und deswegen wird Israel sich auf Deutschland verlassen können.“ Sogar von palästinensischer Seite gibt es Verständnis dafür, dass Merkel diesmal nur nach Israel und nicht, wie sonst üblich, auch ins Palästinensergebiet kommt. Gemeinsame Sitzung Merkel wird von sieben Ministern begleitet. Am Montag sollen in Jerusalem erstmals gemeinsame „Regierungskonsultationen“ stattfinden, eine Art symbolische deutsch-israelische Kabinettssitzung. Eine derartige Geste der Verbundenheit hat Deutschland bisher nur gegenüber engen europäischen Partnern und Russland gemacht. Höhepunkt des Besuchs wird Merkels Rede am Mittwoch im israelischen Parlament sein. Ein rechtsgerichteter Abgeordneter, Arie Eldad, will bei Merkels Rede den Saal verlassen, weil er mit der Einladung an die Kanzlerin und mit dem Gebrauch der deutschen Sprache in der israelischen Volksvertretung nicht einverstanden sei. Allerdings haben in der Vergangenheit schon die deutschen Bundespräsidenten Johannes Rau und Horst Köhler auf Deutsch in der Knesset gesprochen. (Ben Segenreich aus Tel Aviv/DER STANDARD, Printausgabe, 17.3.2008)