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Mirna Jukic auf dem Sprung zum nächsten Erfolg. Über 200-Meter-Brust ist sie bei der Langbahn-EM unbesiegt. 2002 und 2004 siegte sie, 2006 fehlte sie.

Foto: APA/Schlager

Wien/Eindhoven - Die Zeiten ändern sich und zwar ständig. So ist aus dem VÖS ein OSV geworden und aus dem österreichischen Schwimmverband, wie auch immer man ihn abkürzen mag, eine Erfolgsgeschichte. Dabei haben Paul Schauer, der Verbandspräsident, sowie der eine oder andere Zufall Regie geführt. Das war schon Glück, gibt auch Schauer zu, dass kurz nach dem Jahrtausendwechsel fast gleichzeitig Markus Rogan, Maxim Podoprigora und Mirna Jukic aufgetaucht sind. Einer war aus den USA zurück, der nächste aus der Ukraine, die dritte war aus Kroatien nach Wien gekommen.

Sieben Jahre sind vergangen, seit Rogan und Podoprigora bei der WM in Fukuoka mit Silbermedaillen einen historischen Erfolg schafften. Rogan hat sich dauerhaft in der Weltspitze etabliert, hat 2004 zweimal Olympia-Silber und Sympathien gewonnen, als er auf einen Protest gegen US-Sieger Aaron Peirsol verzichtete, der einmal unsauber gewendet hatte. Podoprigora tauchte öfter unter als auf, war Formschwankungen unterworfen. Dem Vernehmen nach fühlt er sich heuer wieder besser, die EM in Eindhoven wird für den Brustschwimmer zur Nagelprobe, Ziel ist die Olympia-Qualifikation.

Rogan über 100-m-Rücken (Vorlauf und Semifinale am Dienstag, Finale am Mittwoch) und 200-m-Rücken (Samstag, Sonntag) sowie Jukic über 100-m-Brust (Mittwoch, Donnerstag) und 200-m-Brust (Freitag, Samstag) tragen die Medaillenhoffnungen. Die besten Chancen auf einen Sieg rechnet sich Rogan über 200 Meter aus. Lässt er die vom Russen Arkadi Wjatschanin angeführte Konkurrenz hinter sich, so könnte er bei der 29. Langbahn-EM Österreichs zehnten Titel holen und nebenbei seinen dritten. Rogan: "Mein Ziel ist Olympiagold, und wenn ich davon rede, muss ich auch vom EM-Titel reden." Er hat das Training umgestellt, umschreibt seine Wandlung wie folgt: "Früher war ich ein Eisbär, der nicht kaputtgehen konnte. Jetzt bin ich ein Pinguin. Der kann schneller schwimmen als der Eisbär, aber wenn man auf ihn draufhaut, kann er auch untergehen."

Insgesamt sind im "De Tongelreep" in Eindhoven, laut Rogan "tollste Schwimmhalle Europas", sechs bis zehn Endläufe mit österreichischer Beteiligung zu erwarten. Schließlich haben im Sog von Rogan und Jukic etliche aufgeschlossen. Neben Sprinterin Fabienne Nadarajah (Delfin, Kraul), im Dezember EM-Dritte auf der Kurzbahn, tun sich vor allem junge Krauler hervor, die in Linz vom Deutschen Helge Gödecke trainiert werden, Dominik Koll zum Beispiel oder David Brandl.

So könnte sich bei den Sommerspielen im August in Peking das größte heimische Aufgebot der Geschichte ausgehen. Mehr als acht Schwimmer waren noch nie am Olympia-Start. Die EM stellt die zweite von vier Möglichkeiten dar, das Limit zu erbringen, die erste Möglichkeit, jene bei den Meisterschaften, wurde bereits von Mirna Jukic genützt. Schauer meint, dass schon in Eindhoven zumindest Rogan, Koll, Brandl, Dinko Jukic und Jördis Steinegger nachziehen.

Einige andere Nationen nehmen die EM, obwohl letzte Langbahn-Großveranstaltung vor Peking, weniger ernst als Österreich. Die Deutschen konzentrieren sich auf ihre nationale Olympia-Quali. Zwei Wochen nach der EM steigt in Manchester eine Kurzbahn-WM (25-m-Pool), ihr kommt im Olympiajahr vergleichsweise wenig Bedeutung zu. Doch wird in Manchester die Kurzbahn-WM 2012 vergeben, um die sich Wien bewirbt. OSV-Chef Schauer spricht von "guten Siegchancen" und will bald zu planen beginnen. Weil die Zeit nicht stillsteht. (Fritz Neumann - DER STANDARD PRINTAUSGABE 17.3. 2008)