Oft kommen Kinder mit Spielsachen in den "Kostnix"-Laden und schauen, was andere dagelassen haben.

Foto: Claudia Lang
Innsbruck - Im "Kostnix"-Laden in der Innsbrucker Höttinger Gasse ist wirklich alles umsonst. Frau Rosa kann es kaum glauben, während sie ausgiebig im Bücherregal stöbert. "Die Gegenstände nett zu finden ist die einzige Bedingung, um sie mitnehmen zu können", lacht der Erfinder des Kostnix-Ladens Hannes Sucher. "Oft kommen Kinder vorbei, mit verschiedenen Spielsachen, und schauen, was andere Kinder dagelassen haben", erzählt er.

Auf den 30 Quadratmetern des Geschäftslokals gibt es eigentlich fast alles. Bücher etwa, Schuhe oder Tassen. Für den Mathematiklehrer Sucher ist der Laden kein Sozialverein, sondern eine Lebenseinstellung. "Wir wollen ein System hinterfragen und Freiräume ohne Geld schaffen."

So ganz ohne Geld funktioniert es aber nicht. Auf rund 400 Euro belaufen sich Strom- und Mietkosten. "Mittlerweile funktioniert das aber ganz gut", erzählt Sucher, "wir bekommen Geldspenden." Gegenleistung wie Werbung gibt es aber für die Spenden nicht. Das ist gegen die Geschäftsidee des Kostnix-Ladens.

Im Geschäft stehen nicht nur Regale mit Romanen, Porzellan oder Rollerblades, sondern auch zwei Couchs und ein Tisch. Der Laden ist auch kommunikativer Treffpunkt. Wer vorbeikommt, der bleibt auch oft auf einen Tratsch mit Kaffee. "Uns besuchen die unterschiedlichsten Menschen, von der Pensionistin bis zum Akademiker", meint Sucher. Auch zu Nichtöffnungszeiten sitzen oft Besucher im Laden, reden oder lesen.

Frau Rosa hat mittlerweile ein Buch unterm Arm und liest die Anschläge an der großen Pinnwand. "Ich habe sehr viel Wolle, die ich nicht mehr brauche, die gebe ich gern her", sagt sie und schreibt sich eine Telefonnummer auf.

"Ungewohnt ist das geldlose System beim ersten Besuch für viele", sagt Sucher, "aber es ist gelebte Solidarität und ein Statement gegen die Wegwerfgesellschaft." (Verena Langegger, DER STANDARD - Printausgabe, 17. März 2008)