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Die indische Pharmaindustrie will die Präsenz im Westen massiv verstärken, nachdem vor drei Jahren auf dem Subkontinent das Patentrecht verschärft wurde.

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Malvinder Singh, Vorstandschef von Ranbaxy.

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Wien/Mumbai - Bis vor einem Jahr war der indische Pharmakonzern Ranbaxy hierzulande recht unbekannt, obwohl das Unternehmen bereits zuvor für die deutschen Pharmakonzerne Hexal und Ratiopharm Medikamente herstellte. Doch dann hatte sich Ranbaxy für die Übernahme der Generikasparte von Merck in Stellung gebracht. Diese ging dann zwar an den US-Riesen Mylan, doch damit kam erstmals die schnell wachsende indische Pharmaindustrie ins öffentliche Bewusstsein Europas und der USA. Vor allem, weil Ranbaxys Ziel, die Präsenz auf diesen Märkten zu verstärken, auch mit der gescheiterten Merck-Übernahme nicht vom Tisch ist.

Wachstumskurs

In Indien ist Ranbaxy, 1961 gegründet und heute der weltweit siebtgrößte Generikahersteller, eine fixe Größe und wesentlicher Bestandteil des Expansionskurses der indischen Pharmaindustrie. Diese wuchs zwischen 1996 und 2006 um jährlich knapp neun Prozent und legte damit mehr zu als der Durchschnitt des Weltpharmamarktes (plus sieben Prozent pro Jahr). Längst ist der indische Kontinent bei Arzneimitteln Selbstversorger; ja, er verkauft in alle Welt und erzielt dabei einen Exportüberschuss von knapp zwei Milliarden Euro. "Die Wettbewerbsfähigkeit der Generikahersteller wird durch eine kosteneffiziente Produktion bestimmt, bei der indische Unternehmen derzeit die Nase vorn haben", resümiert die Deutsche Bank Research in der Studie "Indische Pharmaindustrie auf Globalisierungskurs".

Die aggressive Neuausrichtung von Ranbaxy unter CEO Malvinder Mohan Singh sowie anderen indischen Pharmaunternehmen wie Dr. Reddy's oder Cipla datiert auf das Jahr 2005 zurück. Damals wurde das indische Patentrecht verschärft und an internationale Standards angepasst. Seither ist die Herstellung von Nachahmerprodukten erschwert, unterliegen ausländische Pharmazeutika doch einem Patentschutz von zwanzig Jahren.

Auftragsforschung für westliche Firmen

Die Neuausrichtung seither beinhaltet, dass nun der Fokus auf selbstentwickelte Medikamente gerichtet wird. Ziel des Arzneimittelherstellers Ranbaxy ist es, bis 2012 etwa 40 Prozent des Umsatzes mit Eigenentwicklungen zu erzielen. In Produktentwicklung und Grundlagenforschung wird investiert, wobei der hohe Ausbildungsstandard in der indischen Bevölkerung, kombiniert mit den niedrigen Lohnkosten einen internationalen Wettbewerbsvorteil darstellt. Gleichzeitig wird die Auftragsforschung bzw. Produktion für westliche Pharmafirmen verstärkt.

Für das Gesamtjahr wies Ranbaxy einen Nettogewinn von umgerechnet 137,6 Millionen Euro aus, ein Plus von 53 Prozent. Der Umsatz stieg um neun Prozent auf 1,16 Milliarden Euro. Bis 2012 will Ranbaxy mit einem Jahresumsatz von 3,4 Milliarden Euro zu den weltweit fünf größten Herstellern von Nachahmermedikamenten gehören. Die Aussichten dafür sind gut. Der Heimmarkt ist noch lange nicht gesättigt und wird mehr und mehr von einer wachsenden Mittelschicht bestimmt. Außerdem steigt gerade auf dem reglementierten europäischen Markt der Druck, die Gesundheitsausgaben und damit die Arzneimittelkosten zu reduzieren, stark an: "Die Bedeutung von preiswerten Generika steigt - auch in Europa", so das Resümee von Ranbaxy. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.3.2008)