Verdächtig war das ganze Dorf: Der Bürgermeistermord in "Fago" entzweite die Bewohner.

Foto: TVE
Auf "grünes Licht" von Richter Ángel Tomás aus der Pyrenäenstadt Jaca warteten am 10. März die Produzenten des TV-Dreiteilers "Fago", nach jenem Ort betitelt, an dem am 12. Jänner 2007 Bürgermeister Miguel Grima drehbuchreif ermordet wurde: An einer Straßensperre aufgelauert, erschoss man ihn mit dem Schrotgewehr. Der 35-Seelen-Ort stand gänzlich unter Mordverdacht. Es folgte eine Presse-Belagerung Fagos.

Nach Sichtung der Bänder genehmigte Tomás den "Fago"-Start - mit 3,8 Millionen Zusehern der erfolgreichste der Saison. Teile drehte Televisión Española (TVE) in Fago, das Gros der Szenen stammt aus El Berrueco, Regie führte Roberto Bodegas. "Fago" konzentriert sich, wie die Ermittler, auf die Feindschaft Grimas - dargestellt als Mateo Ibarra von TV-Star Jordi Rebellón - gegenüber seinem Politrivalen, dem Förster Santiago Mainar. Dessen Rolle verkörpert Joaquín Notario als Eugenio Riaza, zum Wohlwollen der Verteidigung. Mainar gestand die Tat detailgetreu, widerrief binnen Stunden.

Reale Ereignisse

Die "fiktive Miniserie, auf realen Ereignissen" basierend, sorgt für Polemik: Montagnacht um 22 Uhr soll das zweite Kapitel folgen, die Verhaftung Mainars markiert am 20. März das Ende Fagos. Das käme früher, ginge es nach Enrique Trebolle, dem Anwalt der Familie Grimas: Er berief gegen das gescheiterte Sende-Verbot und sieht Persönlichkeitsrechte gefährdet. "Die Kollision zweier Rechte" sieht auch Javier Prenafeta, Medienanwalt aus Saragossa: "Informationsfreiheit und Wahrung der Intimität." Zweites tritt bei "öffentlichem Interesse meist in den Hintergrund". Chancen für Grimas Familie, "Fago" zu stoppen, sieht er kaum.

Mainar, der als mutmaßlicher Täter seit einem Jahr in U-Haft ist, verteidigte sich jüngst in El País: "Ich bin unschuldig. Ich gestand, um eine Hexenjagd abzuwenden." Sein Mord-Prozess ist für Herbst angesetzt. Grimas Gedenkstein haben Unbekannte beschmiert, als Mainar inhaftiert war, und Trebolle räumt ein: "Grima hatte viele Feinde" - wohl ausreichend "Stoff" für ein Sequel. (Jan Marot aus Granada, DER STANDARD; Printausgabe, 18.3.2008)