Wien – Es gibt einen Radweg in Wien, der beliebter ist als jeder andere, zumindest bei Wiener Oppositionspolitikern. Denn jenes Teilstück des Ringradweges, das am Burgtheater und dem Café Landtmann vorbeiführt und einen Steinwurf vom Rathaus entfernt ist, scheint sich für die Verkehrssprecher der schwarzen und grünen Fraktionen förmlich anzubieten, um zu demonstrieren, dass die rot regierte Stadt Wien säumig ist, Verkehrssicherheit für Rad- und Autofahrer sowie Fußgeher zu gewährleisten.

Zuletzt war es Wolfgang Gerstl, Verkehrssprecher der VP, der am Montag auf Gefahren für Verkehrsteilnehmer hinwies, die sich an besagter Stelle wegen des unübersichtlichen Übergangs von Straße, Rad- und Gehweg ereigneten. Er erteilte Ratschläge für "ein sicheres Miteinander". Zu diesen zählen die Helmpflicht, das Geben von Handzeichen oder das Unterlassen von Essen und Trinken während des Radelns.

"Andere Schwerpunkte"

Die Wiener VP, die im Sommer eine Stadtwache gefordert hatte, die gegen das "Rowdytum" von Radfahrern vorgehen sollte, bezweckt mit der radlerfreundlichen Aktion wohl noch etwas anderes: das Buhlen um Grün-Wähler. "Es gibt Überschneidungen zwischen unseren Wählern", sagt VP-Klubchef Matthias Tschirf. "Wir setzen aber andere Schwerpunkte."

Dazu sagt der Grünen-Verkehrssprecher Christoph Chorherr: "Angesichts der normalen Verkehrspolitik der VP ist das nicht glaubwürdig." Beispielsweise habe Gerstl den "Wiental-Highway", den geplanten Radweg von Penzing zur Inneren Stadt im Becken des Wienflusses, abgelehnt, weil das rot-grüne Projekt zu teuer sei. "Die Aktion beunruhigt mich also gar nicht", sagt Chorherr.

Um ihrem Ziel – Schwächung der roten Mehrheit im Rathaus – näherzukommen, arbeiten Schwarze und Grüne durchaus öfter zusammen. Die jüngsten Beispiele: die U-Kommission zur Psychiatrie oder die gemeinsame Kritik an der Behindertenpolitik der Stadt. (mil/DER STANDARD, Printausgabe, 18. März 2008)