Innsbruck - Laut einer aktuellen Studie der Arbeiterkammer Tirol (AK Tirol) gibt es in 60 Prozent der Tiroler Gemeinden keine Krabbelstube für die unter dreijährigen Kinder. Für nur drei Prozent der 60.000 Pflichtschüler gäbe es Nachmittagsbetreuung. "Das Land muss Diener der Gemeinden sein. Das wichtigste sind die Gemeinden, die Bürger und die Bürgermeister", erklärte AK-Präsident Fritz Dinkhauser bei einer Pressekonferenz am Dienstag.

Dinkhauser: Gemeinden werden ausgehöhlt

Dieses Thema habe nichts mit seiner Kandidatur bei der Landtagswahl am 8. Juni zu tun, versicherte Dinkhauser. Die Gemeinden würden jeden Tag ausgehöhlt, seien Almosenempfänger des Landes und Gefangene des Verbändewesens. "Wer beim Land am besten kriecht, bekommt am besten", sagte er. Die Demokratie müsse von unten nach oben gehen, der Bürger und der Bürgermeister seien die zentralen Figuren für die Zukunft des Landes. "Die Gemeinden sind einem mehrfachen Spannungsfeld ausgesetzt. Ein Sozialleitbild ist wichtig", meinte der AK-Chef, der neuerlich bekräftigte bei der Landtagswahl mit einer eigenen Liste antreten zu wollen.

Ein von Kanada importiertes, "in Europa noch einzigartiges" Modell soll anhand von 120 Kriterien das humane, finanzielle, ökologische, soziale und aufgebaute Kapital der Gemeinden ermitteln und prüfen helfen. Bis November soll durch das Projekt gemeinsam mit der FH Soziale Arbeit des Management Center Innsbruck (MCI) der wahre, ganzheitliche Wohlstand der 279 Gemeinden ermittelt werden.

Bei der Pressekonferenz präsentierte die AK auch den 122 Seiten starken Bericht über "Die Lage der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Tirol 2008". 39 Prozent der Tiroler seien mit der eigenen Gemeindesituation "sehr zufrieden" und 59 Prozent "zufrieden". Das Tiroler Einkommen rangiere am unteren Ende im österreichischen Vergleich. Nach österreichischen Berechnungen habe Tirol die drittniedrigste Arbeitslosenrate des Landes. Allerdings herrsche in den Bezirken Landeck, Lienz und Imst die höchste Arbeitslosenrate österreichweit. (APA)