Wien - Den Titel "Beraterin" hört Imma Palme nicht gerne. "Strategin" schon gar nicht. Und die Punzierung als Leiterin einer SPÖ-nahen Institution stört sie erst recht. "Ich muss sie extremst enttäuschen", sagt Palme: "Ich bringe dem Kanzler nicht jeden Tag Glaskugeln ins Büro, um in die Zukunft zu schauen."

Doch Widerstand ist zwecklos: Wer in der SPÖ nach den Ratgebern von Alfred Gusenbauer fragt, der hört auch den Namen Palme. Die 57-jährige leitet das Institut für empirische Sozialforschung (Ifes), das der spätere rote Innenminister Karl Blecha in den Sechzigern gegründet hat. Hier, direkt gegenüber ihrer Parteizentrale in der Löwelstraße, lassen die Sozialdemokraten ins Volk hineinhorchen, um daraus dann die konkrete Politik entsprechend anzupassen.

Von Sambia zum Semmering

Wie ihr schwarzes Gegenüber Ulram (siehe Porträt links) zählte Palme zu den ersten Studenten, die in den Siebzigern an der Uni Wien Politikwissenschaft inskribierten. "Eine spannende Zeit", erinnert sie sich: "Wir waren teilweise besser vorbereitet als die Professoren und haben Gegenveranstaltungen abgehalten. Das war anstrengend, hat aber die Sinne geschärft." Ohne Konflikte ging es auch im Verband Sozialistischer Studenten (VSStÖ) nicht ab, wo sie spätere Spitzenpolitiker wie Michael Häupl oder Josef Cap kennen lernte. Den großen Krach, bei dem sich eine Gruppe um den heutigen Grünen Peter Pilz von der Sozialdemokratie abwandte, bekam Palme aber kaum mit. Damals tourte sie gerade im Anschluss an einen Studienaufenthalt in Sambia allein durch Afrika.

Den ersten Schritt in ihre heutige Karriere tat Palme aber am heimatlichen Semmering, wo ihr ein beim Ifes beschäftigter Bekannter über den Weg lief. Die Politologin heuerte als Lektorin an - und arbeitete sich schließlich zur Leiterin des Meinungs- und Marktforschungsinstituts empor, das - darauf legt Palme Wert - nur einen geringen Teil seiner Aufträge der SPÖ verdankt. Den in der Öffentlichkeit gehegten Verdacht der Parteipropaganda durch manipulierte Umfrageergebnisse weist sie zurück: "Kein Institut verfälscht Daten." Warum Umfragen des "roten" Ifes nach TV-Duellen dann gerne Gusenbauer als Sieger ausweisen, während das "schwarze" GfK zum gegenteiligen Ergebnis kommt, erklärt Palme so: "Jeder Auftraggeber kann mit den Daten machen, was er will, da habe ich keinen Einfluss." Dass Parteien da günstige Aspekte herausfiltern, sei logisch.

Sie selbst halte sich mit apologetischen Statements in den Medien bewusst zurück, sagt Palme: "Der Peter Ulram ist da schon häufiger in den Fettnapf getreten." (jo/DER STANDARD, Printausgabe, 19.3.2008)