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Das Tal am "süßen Fluss" war für den Erz- und Nickel-Konzern Vale einst namensgebend.

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Rio de Janeiro/Wien - Vale gelüstet nach mehr. Der brasilianische Erzgigant, der sich beim Namen einschränkte - von der alten Firma Companhia Vale Rio Doce überlebte nur das Tal -, mauserst sich zu einem der führenden Bergbaukonzerne der Welt. Sollte die gerade laufenden Fusionsgespräche mit dem schweizerisch-britischen Konzern Xstrata erfolgreich abgeschlossen werden, hätte Vale sogar die Nase vorn. Zumindest solange sich Rio Tinto gegen die Einverleibung durch BHP Billiton wehrt und damit den britisch-australischen Zusammenschluss vereitelt.

Steigende Nachfrage aus China und anderen Schwellenländern sowie die laufende Konzentration haben Vale eine einzigartige Stellung verliehen. Gemeinsam mit BHP und Rio Tinto - die drei Erz-Größen kommen auf einen Weltmarktanteil von 70 Prozent - werden der Stahlbranche die Preis diktiert. Mit Xstrata würde man auch bei Nickel die Vorherrschaft übernehmen, noch vor der russischen Norilsk Nickel, bei der sich der in dieser Serie bereits porträtierte Alu-Konzern Rusal einkaufte. Den kanadischen Nickelproduzenten Inco hat Vale bereits im Jahr 2006 um 17 Milliarden. Dollar übernommen, mit Xstrata käme deren Tochtergesellschaft Falconbridge hinzu, womit man 30 Prozent er globalen Nickelproduktion auf sich vereinen würde. Ganz nebenbei gelänge ein großer Sprung bei Zink, Kupfer und Kohle.

Expansion bleibt Problem

Das größte Problem bleibt trotz Expansion, mit der Nachfrage mithalten zu können. "Selbst wenn wir mehr und mehr investieren, werden wir niemals mit Chinas Wachstum Schritt halten können", sagte Vale-Chef Roger Agnelli kürzlich. Und an Investitionen plant er immerhin, 60 Milliarden Dollar in den nächsten fünf Jahren auszugeben. China, größter Stahlproduzent und Erzimporteur der Welt, treibt damit den Preis, der sich seit 2005 verdoppelte. Derzeit versuchen die drei großen der Erzbranche gerade, "Anpassungen" von rund 40 Prozent durchzusetzen.

Vale kommt derzeit auf 300 Millionen Tonnen Erzproduktion, die aber deutlich ausgeweitet werden soll. In Mosambik wird eine Kohlemine samt Hafenanlage für die Verschiffung entwickelt, doch die politische Unsicherheit in Afrika bremst den Ausbau.

Großübernahmen teuer

Konzernchef Agnelli, der trotz italienischer Abstammung nichts mit dem mächtigen Turiner Fiat-Clan zu tun hat, kommt zudem die Finanzkrise in die Quere. In der derzeitigen Lage sind Großübernahmen teuer, weshalb Analysten Zweifel am Xstrata-Deal hegen, es heißt, Vale sei in einer Sackgasse gelandet. Dank des großen staatlichen Einflusses ist der in Sao Paulo notierte, ehemals staatliche Konzern Vale vor feindlichen Übernahmen gesichert. Eine durchaus angenehme Situation in einer Branche, in der die Fusionswelle gerade ungeahnte Ausmaße erreicht. Allein das Angebot für Xstrata hat sich seit Anfang Februar auf 89 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt.

Eher sparsam geht der an den Börsen in Sao Paolo und New York gehandelte Erzgigant mit seinen Kennzahlen um, obwohl es keinen Grund für Zurückhaltung gibt: Der Umsatz hat sich zwischen 2002 und 2007 - dank hoher Weltmarktpreise - auf 33,1 Mrd. Dollar mehr als versechsfacht, der Gewinn stieg von 7,3 auf 11,8 Mrd. Dollar. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.3.2008)