Peking - Wegen der Unruhen in Tibets Hauptstadt Lhasa in der vergangenen Woche hat China nach offiziellen Angaben 24 Menschen verhaftet. Die Staatsanwaltschaft wirft den Verdächtigen Gefährdung der nationalen Sicherheit sowie Plünderungen, Brandstiftungen und andere gewaltsame Übergriffe vor. Außerdem stellten sich nach offiziellen Angaben 170 Demonstranten freiwillig.

Es lägen stichhaltige Beweise gegen die Festgenommenen vor, sagte der stellvertretende Leiter der Strafverfolgungsbehörde in Lhasa, Xie Yanjun. Harte Strafen seien nötig, um die Einhaltung der Gesetze zu gewährleisten.

Zwei deutsche Korrespondenten ausgewiesen

Unterdessen haben die chinesischen Behörden zwei deutsche Korrespondenten, Georg Blume und Kristin Kupfer, am Donnerstag aus Tibet ausgewiesen. Ihnen habe ein ranghoher Funktionär mit dem Entzug der Aufenthaltsgenehmigung in China gedroht, berichtete Blume telefonisch der Deutschen Presse-Agentur dpa in Peking, bevor die Polizei sie zur Eisenbahn eskortierte. Mehrere Tage hatten sich die beiden geweigert, den Anweisungen der Polizei zu folgen, das Hochland nach den schweren Unruhen in Lhasa zu verlassen.

"Uns wurde heute auf einschüchternde Weise gesagt, wenn wir jetzt nicht gehen, werden wir sehr große Probleme bekommen, und zwar auch in der Visafrage", sagte der China-Korrespondent der Wochenzeitung "Die Zeit" und Berliner "taz". Seine Kollegin Kupfer ist in Peking für das österreichische Magazin "Profil" akkreditiert. Beide waren die letzten ausländischen Korrespondenten in Tibet.

In der Himalaya-Region waren in der Vorwoche Proteste gegen die chinesische Herrschaft in Gewalt umgeschlagen. Dabei kamen nach offiziellen chinesischen Angaben mindestens 16 Menschen ums Leben, drei Demonstranten und ansonsten unbeteiligte Zivilisten. Die tibetische Exil-Regierung spricht dagegen von 100 Toten durch das harte Vorgehen der Sicherheitskräfte. Die chinesischen Staatsmedien haben erstmals eingeräumt, dass es auch in den Nachbarprovinzen von Tibet zu Protesten gegen die Zentralregierung gekommen ist. (APA/ag.)