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Der umstrittene Rechtsaußen Geert Wilders

Foto: AP/Ernst
Geert Wilders hat allen Grund zur Zufriedenheit. Nur einen Tag, nachdem der niederländische Rechtsaußen das Erscheinen seines Kurzfilms „Fitna“ für Ende des Monats angekündigt hatte, meldet sich Osama Bin Laden erneut zu Wort. Auch wenn sich der Terrorchef in seiner Drohbotschaft an die EU nur über die dänischen Cartoons äußert – eine bessere Werbung für das Filmprojekt ist kaum vorstellbar.

Seit Monaten beherrscht Wilders mit „Fitna“ – der Begriff steht für Gespaltenheit der Gemeinschaft der Gläubigen – die öffentliche Diskussion in den Niederlanden. Die christlich-soziale Regierung von Jan Peter Balkenende hatte Wilders vergeblich gebeten, von einer Veröffentlichung abzusehen. Die Den Haager Regierung fürchtet nicht nur Anschläge auf die niederländischen Truppen in Afghanistan, sondern auch massive Exportnachteile und einen Boykott niederländischer Produkte.

Geert Wilders wies in einem im dänischen Fernsehen ausgestrahlten Interview jede Verantwortung für eventuelle Ausschreitungen von sich: „Mein Film respektiert die Grenzen des niederländischen Rechts. Ich werde niemals die Verantwortung für Drohungen übernehmen.“ Wilders selbst steht seit der Ermordung des Filmemachers Theo van Gogh im November 2004 unter strengem Personenschutz.

Nach Bekanntgabe des Erscheinungstermins haben die niederländischen Behörden die Sicherheitsmaßnahmen weiter verschärft. Abgeordnete müssen Auftritte außerhalb des Parlaments dem Nationalen Koordinator für Terrorbekämpfung melden. Diplomatische Vertretungen im Ausland haben bereits vor Wochen genaue Anweisungen erhalten, wie sie sich im Ernstfall zu verhalten haben.

Nach Wochen der Ratlosigkeit regt sich erstmals öffentlicher Protest. Am Samstag haben mehr als 1.000 Menschen gegen Wilders demonstriert. Auf Transparenten und in Redebeiträgen warnten sie vor Diskriminierung und Rassismus. Die Polizei sprach von 1.300 Teilnehmern, die Veranstalter hatte mehrere tausend Demonstranten erwartet. Zwischenfälle gab es nicht.

Im Internet hat das Projekt eine Welle von Gegenveröffentlichungen ausgelöst. Das Medienkollektiv Mediamatic stellte einen Film ins Netz, in dem sich niederländische Bürger für Wilders entschuldigen. Alle Akteure tragen eine wasserstoffblonde Perücke, die an Wilders’ markante Frisur erinnert. Mediamatic hofft, damit den Zugriff auf Wilders’ Film zu erschweren. Auch der grüne Abgeordnete Tofik Tibi hat einen Gegenfilm angekündigt. (Barbara Hoheneder aus Amsterdam/ DER STANDARD, Printausgabe, 21.3.2008/red)