Vor "Need for Speed" und "Grand Theft Auto" gab es die Autoquartette. Für alle nach 1980 geborenen Videospielsüchtis: Spielkartenformat, Vierergruppen von Autos, von Alfa bis Zagato. Auf jeder Karte die wichtigsten Modelldaten: Zylinderanzahl, Hubraum, PS, Gewicht. Ein Spieler nennt den Wert jener Kategorie eines Wagens auf einer Karte, von der er glaubt, die Werte aller anderen übertrumpfen zu können und sammelt Karten ein, wenn dies auch so ist. "Lambordschini Kauntädsch, 5167 Kubik. Ka Schauhs, Oida!" Sieger ist, wer am Schluss den anderen die meisten Karten abgenommen hat. Brutale alte Schule. Aber prägend für Generationen (zugegeben, von Buben).

Unlängst traf ich einen alten Freund, Vater zweier Buben, ein Autoquartettist, meine Generation. Ich erzählte von unserem neuen (echten) Auto, einem grundvernünftigen Tschechen, der in jedem Autoquartett die Rolle des letzten Losers bekommen würden, weil er einfach in keiner Kategorie gut ist (solche Nieten gab es in jedem Quartett, das Ziehen einer solchen hatte mit einem langen "Naoidaah" kommentiert zu werden). Die Familienwagen meines Freundes sind derzeit auch nicht viel cooler. Nur sein Bruder, der Hallodri, hat weißichwieviele alte Jaguare im Schupfen stehen.

Also versuchte ich meinen Trumpf in einer anderen Kategorie zu holen. "Ich hab jetzt den Kindersitz gekauft. Einen Maxi-Cosi. Einen Phantom Cabrio". Eigentlich heißt er "Cabriofix" und "Phantom" ist die Bezeichnung der Marketingabteilung für die Farbe (?) Schwarzgrau. Aber "Phantom Cabrio" fährt halt mehr. Denke ich.

"Aha. Unser Kindersitz ist von Recaro. Seitenschutzschale, Fünf-Punkt-Gurt." Verdammt. Diese Runde geht an ihn. (szem)