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Bei neuen Unruhen in von Tibetern bewohnten Gebieten in Westchina sind Berichten zufolge mindestens ein Polizist sowie ein tibetischer Mönch getötet worden.

Foto: REUTERS/DAVID GRAY
Peking - Trotz der massiven Verstärkung der chinesischen Sicherheitskräfte gehen die Proteste von Tibetern unvermindert weiter. Bei Unruhen in der von Tibetern bewohnten westchinesischen Provinz Sichuan kamen nach Berichten von Dienstag mindestens zwei Menschen ums Leben. Die Polizei habe Warnschüsse abgeben müssen, um eine Menge Steine werfender und Messer schwingender "gesetzloser Verbrecher" auseinanderzutreiben, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Nach ihrer Darstellung kam ein Polizist bei den Unruhen am Montag ums Leben, mehrere seiner Kollegen wurden verletzt. Das im Exil tätige Tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie meldete den Tod eines 18 Jahre alten Mönchs. Ein anderer Demonstrant sei lebensgefährlich verletzt worden.

Bei den Protesten gegen die chinesische Herrschaft in Tibet sind nach Angaben der tibetischen Exilregierung bislang 140 Menschen getötet worden. Die Regierung in Peking spricht von 19 Toten. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben ist wegen der chinesischen Einschränkung der Berichterstattung aus der Region nicht möglich.

Festnahmen in Lhasa

In der tibetischen Hauptstadt Lhasa wurden Berichten offizieller Medien zufolge 13 Menschen verhaftet, die zum Beginn der anti-chinesischen Proteste am 10. März auf die Straße gegangen waren. Ihnen werde Verbreitung "reaktionärer Parolen" vorgeworfen. Mit ungewöhnlich deutlichen Worten kritisierte Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner das chinesische Vorgehen. "Die Gewalt muss auf beiden Seiten aufhören, aber vor allem muss die Repression aufhören, weil man jetzt nicht nach Tibet fahren kann." Besonders wichtig sei es, Journalisten den Zugang nach Tibet zu ermöglichen, um den Informationsfluss über die dortige Situation zu gewährleisten. Das Europäische Parlament wird sich am Mittwoch in einer Sondersitzung möglicherweise mit der Lage in Tibet befassen.

Trotz scharfer Kritik der Vereinten Nationen löste die nepalesische Polizei erneut eine Anti-China-Kundgebung von Exil-Tibetern gewaltsam auf und nahm Dutzende Teilnehmer fest. Insgesamt 71 Protest-Teilnehmer wurden der Polizei zufolge in verschiedene Strafanstalten gebracht. Bereits am Montag hatten die Behörden mehr als 400 Menschen in Nepal festgenommen. (Reuters)