Bild nicht mehr verfügbar.

Andreas Treichl, Generaldirektor der Erste Bank, Peter Kampits, Dekan der philosophischen Fakultät, und Georg Winckler, Rektor der Universität Wien (v. li.) wurden für ihre Kooperation im Rahmen einer Ringvorlesung von den Studierenden lauthals kritisiert.

Fotos: AP, Andy Urban, Heribert Corn
Unternehmer im Hörsaal: Was in wirtschaftswissenschaftlichen Studienrichtungen Alltag ist, sorgt an der philosophischen Fakultät der Uni Wien für Aufregung. Anlass ist die Ringvorlesung für Wirtschaftsethik "Corporate Social Responsibilty" (CSR). Auf dem Programm steht - abgesehen von einigen Wissenschaftern - auch ein Unternehmen, die Erste Bank. Darauf reagierten die Studierenden beim ersten Vorlesungstermin kritisch. Sie warfen dem Rektor Georg Winckler den "Verkauf der Uni" vor - Erste-Generaldirektor Andreas Treichl nutze die Vorlesung als Werbeplattform.

Dekan Peter Kampits versteht die Vorwürfe der Studierenden nicht. Niemand verdiene an der Vorlesung: "Für mich bedeutet das sogar zusätzliche Arbeit." Das bestätigt auch Gabriele Schuster-Klackl von Uniport, die die Ringvorlesung initiiert hat: "Uniport hat mit der Erste Bank ein reines Aufwand- und Kostenersatzbudget vereinbart. Niemand bereichert sich oder kauft sich ein oder verkauft die Uni."

Die Erste Bank wurde deshalb als Partner gewählt, "weil das Unternehmen in vielen Bereichen der Corporate Social Responsibility tätig ist", so Schuster-Klackl. So könne man die positiven und negativen Aspekte der Projekte besser aufzeigen. Würden mehrere Unternehmen ihr CSR-Engagement vorstellen, wäre das zu oberflächlich und erwecke erst recht den Anschein einer Werbeveranstaltung, verteidigt sie ihr Konzept.

"Die Grundidee war ein Zusammenprall von Theorie und Praxis", erklärt Kampits. Der Experte für Wirtschaftsethik betont, dass auch er der Ökonomisierung kritisch gegenüberstehe. Dass die Lehrveranstaltung an der Philosophie stattfindet, hat für Kampits zwei Gründe: "Erstens interessiert mich die Praxis, und zweitens wäre das Thema Ethik an einer wirtschaftlichen Fakultät untergegangen."

Ebenso hat die Wirtschaft Interesse an der Theorie: "Wir laden unsere Mitarbeiter ein, die Vorlesung zu besuchen", sagt Klaus Rosenkranz, CSR-Beauftragter der Erste Bank, der an der Entwicklung des Vorlesungsprogramms beteiligt war. Er sieht die Einladung, sich zu beteiligen, als "gesellschaftliche Verantwortung". Die Erste Bank werde sich das Feedback aus der Wissenschaft und dem Publikum anhören und in ihre Arbeit einarbeiten. Dass die mögliche Finanzierung des slowakischen Atomkraftwerks Mochovce schlechtes Licht auf das soziale Engagement des Unternehmens werfen könnte, glaubt er nicht. Dennoch: "Es zeigt natürlich, wie schwierig das Thema CSR in der Praxis ist."

Die Studierenden griffen in der ersten Vorlesung Winckler und Treichl besonders hart an, berichtet Kampits. Kritik sei aber willkommen, sind er und Gabriele Schuster-Klackl sich einig. Immerhin sei die kritische Auseinandersetzung Ziel der Veranstaltungsreihe. Neben verärgerten Studierenden gibt es laut dem Dekan im Publikum eine zweite Gruppe: "Die schweigende Mehrheit, die die Vorlesung für eine gute Sache hält."

Die Vorlesungsreihe ist vorerst ein Pilotprojekt, könnte aber laut Uniport fortgesetzt werden. Kampits wünscht sich für die Zukunft den Einbezug von NGOs. Auch er hätte in der aktuellen Vorlesung gerne mehr als nur einen Vertreter der Wirtschaft gehabt. Die Erste Bank hält fest, Kritik an ihren CSR-Strategien zu begrüßen: "Wir wollen nicht den Eindruck erwecken, dass wir die Musterschüler in diesem Bereich sind." (Elisabeth Oberndorfer/DER STANDARD Printausgabe, 22.-24. März 2008)