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Ein neugeborenes Mädchen in Berlin. Männliche Babys haben ein bis zu 24 Prozent höheres Risiko in den ersten zwölf Lebensmonaten zu sterben.

Foto: AP/Michael Sohn
Chicago - Männliche Neugeborene sind einem deutlich größeren Sterberiskio ausgesetzt als Mädchen. In hoch entwickelten Industrieländern haben männliche Babys ein bis zu 24 Prozent höheres Sterberisiko als weibliche, wie eine internationale Studie aus 15 Ländern belegt.

Während die Säuglingssterblichkeit in den entwickelten Ländern in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt stetig zurückging, hätten sich die Unterschiede zwischen Mädchen und Buben vergrößert. In den Jahren von 1751 bis 1870 habe die "Geschlechterlücke" nur bei zehn bis 15 Prozent zuungunsten der Buben gelegen, heißt es in der Studie.

"Während der historischen Fortschritte bei der Säuglingssterblichkeit legt der wachsende Nachteil der Buben ein unerwartetes Maß an männlicher Verwundbarkeit bloß", heißt es in der Studie. Die Geschlechterlücke sei deshalb gewachsen, weil sich Kindstod bei dem sehr niedrigen Stand der Säuglingssterblichkeit "zunehmend auf jene konzentriert, die mit gewissen Schwächen geboren werden".

Schwächere Buben

Diese Schwächen beträfen vor allem Buben: Deren Gefahr auf vorzeitige Geburt liege 60 Prozent über jenem der Mädchen. Dadurch seien sie wegen des schwächeren Immunsystems vermehrt Infektionskrankheiten ausgesetzt. Weil Buben größer sind - und vor allem größere Köpfe haben -, sei bei ihrer Geburt ohnehin das Risiko auf Komplikationen größer.

Diese Nachteile ließen sich nicht durch die deutlichen Verbesserungen in der Hygiene wettmachen, die in den vergangenen Jahrzehnten die Säuglingssterblichkeit allgemein habe sinken lassen, heißt es in der Studie. Im Jahr 1970 habe die Geschlechterlücke bei der Sterblichkeit mit 31 Prozent einen Höchstwert erreicht.

Mehr Kaiserschnittentbindung

Dass er seitdem wieder zurückgegangen ist, führen die Autoren der Studie vor allem auf die Ausbreitung der Kaiserschnittentbindung zurück, von der Buben wie Mädchen gleichermaßen profitieren können. Vor 1970 seien in den untersuchten Ländern nur etwa fünf Prozent aller Babys per Kaiserschnitt entbunden worden, inzwischen seien es mehr als 20 Prozent. Die Ergebnisse der Studie wurden in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlichten. (APA/red)