Fossile Funisia dorothea aus dem Süden Australiens.

Foto: Droser lab, UC Riverside

Versuch einer Rekonstruktion: Etwa so könnte Funisia dorothea zu Lebzeiten ausgesehen haben.

Foto: Daniel Garson, Droser lab, UC Riverside
Ediacara - Einfache Organismen dürften sich bereits vor mindestens 565 Millionen Jahren geschlechtlich vermehrt haben. Zwei Wissenschafter wollen bei erst vor wenigen Jahren entdeckten Fossilien im Süden Australiens Hinweise darauf gefunden haben, dass sich die Wurm-ähnliche Funisia dorothea bereits auf sexuellem Weg fortpflanzen konnte.

Bislang hatte man angenommen, dass dies erst viel später möglich gewesen sei. "Die Fossilien der Funisia beweisen, dass Ökosysteme bereits sehr früh in der Geschichte der Lebewesen komplex waren und zwar bevor Organismen Skelette entwickelt hatten und sich Räuber verbreiteten", so Forschungsleiterin Mary Droser von der Universität von Kalifornien.

Gruppenbildung

Da es keine Räuber gab, bedeckte die Funisia dorothea, deren systematische Einordnung noch umstritten ist, während des Neoproterozoikums im Überfluss den Meeresboden. Droser fand Spuren des Organismus' erstmals im Jahr 2005 in Süd-Australien. Die Fossilien zeigten nicht nur, dass das Wesen etwa 30 Zentimeter lang war, sondern auch, dass die Lebewesen in Gruppen auftraten. Dies lasse ein Muster von Vermehrung erkennen, das sich häufig bei sexueller Fortpflanzung zeige, so Droser.

"Im Allgemeinen wachsen Individuen unter anderem deshalb nah beieinander, um den Erfolg der Reproduktion zu sichern. In der Funisia sehen wir sehr wahrscheinlich geschlechtliche Fortpflanzung - möglicherweise das erste Mal in der Geschichte der Lebewesen auf unserem Planeten."

Viele Nachkommen

Große Ansammlungen von gleich großen Exemplaren lassen zudem vermuten, dass die Funisia große Mengen an Nachkommen auf einmal reproduzieren konnte. Bei lebenden Organismen resultiere eine so hohe Anzahl von neuen Individuen fast ausschließlich aus geschlechtlicher Fortpflanzung. "Obwohl wir die genauen Verhaltensweisen vieler dieser ältesten Lebewesen nicht kennen, wissen wir, dass ihre Gemeinschaften ähnlich wie heute strukturiert waren", kommentiert die Paläontologin Rachel Wood. Die Beschaffenheit der frühen Ökosysteme könne außerdem Hinweise darauf geben, wonach wir auf anderen Planeten suchen müssen, so Droser. (pte/red)