New Haven/London/Wien - Einem - vermeintlichen - Problem in Zusammenhang mit der Evolution widmeten sich Wissenschafter unter der Leitung des aus Österreich stammenden und an der Yale University in New Haven lehrenden Evolutionsforschers Günter Wagner: der Pleiotropie. Diese bezeichnet das Phänomen, dass die Mutation nur eines einzelnen Gens zu verschiedenen körperlichen Veränderungen führen kann. Klassische Beispiele dafür sind etwa Krankheiten wie die Mukoviszidose oder das Marfan-Syndrom.

Da Evolution auf der natürlichen Selektion vorteilhafter Merkmale, die durch zufällige Mutation entstanden sind, beruht, könnte Pleiotropie theoretisch ein Problem darstellen: "Je mehr Merkmale durch eine einzelne Mutation beeinflusst werden, desto geringer ist die Chance, dass eine solche Veränderung von Nutzen ist", erklärt Wagner den Zusammenhang.

Quantifizierung

Der Wissenschafter hat deshalb eine Möglichkeit ausgearbeitet, die Pleiotropie systematisch und quantitativ zu erfassen. In Zusammenarbeit mit der Washington University im US-Bundesstaat Missouri und der britischen University of Sussex nahmen die Biologen Mäuse ins Visier, studierten Mutationen und deren Auswirkungen auf 70 Merkmale des Skelettapparats. So wurden etwa Längen von Knochen vermessen, ebenso Unterkiefer- oder Schädelmerkmale.

Hätte sich bei der Erhebung herausgestellt, dass Pleiotropie sehr häufig vorkommt und dass sich Mutationen generell auf sehr viele Merkmale auswirken, hätte die Evolutionstheorie möglicherweise einiger Modifikationenen bedurft. Die Ergebnisse, die in der jüngsten Ausgabe der britischen Wissenschaftszeitschrift "Nature" veröffentlicht wurden, stehen jedoch mit dem bisherigen Wissen in weitgehendem Einklang: "Es zeigte sich, dass pleiotrope Effekte doch nicht so verbreitet sind", berichtet Wagner. Die meisten Mutationen wirken sich demnach nur auf einen kleinen Teil der Merkmale aus, etwa fünf an der Zahl. (APA/red)