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Zunächst gab es für Rafael van der Vaart wenig zu lachen, das sollte sich ändern.

Foto: APA/EPA/Van Weel
Wien - Der Start war alles andere als gut gewesen. 0:3 war die niederländische Fußball-Nationalmannschaft nach 35 Minuten gegen Österreich zurückgelegen. Dennoch hatten weder die Spieler noch Teamchef Marco van Basten laut eigenen Angaben je ernsthaft das Gefühl, die Partie am Mittwochabend im Wiener Ernst Happel Stadion verlieren zu können. "Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass alles vorbei ist", erklärte Van Basten.

Huntelaar: "Sie haben die Tore praktisch hergeschenkt"

Bereits nach 37 Minuten hatte Stürmerstar Klaas Jan Huntelaar einen Stellungsfehler in der ÖFB-Abwehr genützt - weitere sollten folgen. "Sie haben die Tore praktisch hergeschenkt. Denn wir haben nicht gut gespielt", gestand Huntelaar, der in der 87. Minute auch das entscheidende 4:3 besorgte. Es war der sechste Treffer des 24-jährigen Ajax-Stürmers in elf Länderspielen. Die Österreicher hätten ihn allerdings über weite Strecken gut gedeckt, sagte Huntelaar. "Sie haben eine gute Mentalität."

Dafür fehlt dem ÖFB-Team laut Einschätzung niederländischer Medien die internationale Klasse. Die Zeitung "De Volkskrant" schrieb vom "möglicherweise schwächsten Teilnehmer der EM" und ging dementsprechend auch mit der eigenen Mannschaft hart ins Gericht: "Es war peinlich. Die niederländische Mannschaft wurde von einem Gegner der C-Kategorie auf unerklärliche Weise lächerlich gemacht." Nicht die Stärke der Niederländer, sonder die Schwäche der Österreicher habe das Spiel in der zweiten Hälfte entschieden.

Van Bronckhorst: "Schlecht gespielt"

"Wir haben als Kollektiv schlecht gespielt. Hoffentlich lernen wir aus unseren Fehlern", meinte Oranje-Kapitän Giovanni van Bronckhorst. "Trotzdem habe ich nie die Angst gehabt, dass wir nicht zurückkommen", ergänzte Arsenal-Stürmer Robin Van Persie. "Es war ein gutes Comeback." Und sogar eines von historischer Dimension. Eine ähnliche Aufholjagd hatten die Niederländer zuletzt 1983 in Irland lanciert. Die Elftal siegte nach 0:2-Rückstand noch 3:2 - dank Toren von Gullit (2) und Van Basten.

15 Jahre später ersparten Konzentrationsschwächen im ÖFB-Team dem Bondscoach etwas mehr als zwei Monate vor Beginn der EURO 2008 eine Blamage in Wien. Dennoch stellte Van Basten den Österreichern kein schlechtes Zeugnis aus. "Sie sind physisch und kämpferisch stark und vor allem bei Standard-Situationen sehr gefährlich", meinte der ehemalige Weltklasse-Stürmer, der den Heimvorteil als großes EM-Plus für Österreich wertet. "Dieses Gefühl ist wichtig. Gastgeber großer Turniere spielen immer gut."

van der Vaart: "Kroatien klar bessere Mannschaft"

Einen direkten Vergleich zwischen zwei EURO-Gruppengegnern zog HSV-Regisseur Rafael van der Vaart: "Kroatien war eine klar bessere Mannschaft als Österreich." In Split hatten die Niederländer Anfang Februar nach überragender Leistung 3:0 gesiegt. In Wien waren sie vor allem in der ersten Hälfte weit unter ihren Erwartungen geblieben. "Wenn wir bei der EM so spielen, dann sind wir schnell zu Hause", erklärte Van der Vaart trotz des 4:3.

Vor allem das Abwehrverhalten bei Standardsituationen wurde bekrittelt. Bei den Kopfball-Toren von Sebastian Prödl hatte jeweils HSV-Verteidiger Joris Mathijsen nach Cornern das Nachsehen. Torhüter Henk Timmer war ebenfalls bei allen drei Gegentoren - so viele hatten die Niederländer zuletzt im November 2005 gegen Italien (1:3) kassiert - beteiligt. Der Feyenoord-Keeper ist im Team ohnehin nur die Nummer drei hinter Edwin van der Sar und Maarten Stekelenburg, die beide abgesagt hatten.

"Wir haben drei individuelle Fehler gemacht, die bestraft worden sind. Bei der EM dürfen wir uns das nicht erlauben", betonte Van Basten. Dort treffen die Niederländer in der schweren Gruppe C jeweils in Bern auf Weltmeister Italien, Frankreich und Rumänien. Vor diesem Hintergrund versuchte das "Allgemeen Dagblad" die mäßige Leistung in Wien in den richtigen Zusammenhang zu bringen: "Wenn die Elftal versucht hat, die Erwartungshaltung für die EM niedrig zu halten, dann ist ihr das gelungen."(APA)