Der niederländische Regierungschef Jan Peter Balkenende hat sich von der abwertenden Darstellung des Korans im Film des Rechtspopulisten Geert Wilders distanziert. Der Film verbinde Gewalt und den Islam - diese Interpretation lehne die niederländische Regierung ab, sagte Balkenende am Donnerstagabend in einer auf niederländisch und englisch abgegebenen Erklärung. "Wir bedauern, dass Herr Wilders den Film veröffentlicht hat", fuhr er fort. Das im Internet gezeigte Video habe kein anderes Ziel als zu beleidigen.

Warnung

Balkenende warnte zugleich vor gewaltsamen Reaktionen auf den Film. Gewalt oder Bedrohungen könnten nicht mit Wilders Beleidigungen entschuldigt werden. Deshalb werde die niederländische Regierung auf jeden Gesetzesverstoß reagieren, sagte Balkenende weiter. Auch bei dem Film solle überprüft werden, ob er gegen das Gesetz verstoße. Die niederländische Regierung hatte wegen befürchteter Ausschreitungen wie nach der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in Dänemark mehrmals versucht, Wilders von seinem Projekt abzubringen. Dieser hielt jedoch daran fest und stellte den Film schließlich am Donnerstag auf dem Videoportal http://www.liveleak.com online.

Nicht so schlimm wie erwartet

Niederländische Muslim-Verbände erklärten kurz nach Veröffentlichung des Films, er sei nicht so schlimm wie erwartet. Sie hatten befürchtet, Wilders würde in dem Video den Koran verbrennen oder ihn in Stücke reißen. Dies sei aber nicht der Fall. In dem Film kombiniert Wilders Bilder von Opfern terroristischer Anschläge mit Koranversen. Auch die umstrittene dänische Mohammed-Karikatur, die den Propheten mit einer Bombe als Turban zeigt, sowie die Anschläge auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 sind in dem Film zu sehen.

Die britische Internetseite http://www.liveleak.com rechtfertigte unterdessen die Veröffentlichung des Films. Es habe keine rechtlichen Gründe gegeben, die dagegen sprachen, hieß es in einer Erklärung auf dem Videoportal. Liveleak.com nehme eine unparteiische Position ein und wolle der Meinungsfreiheit nicht entgegenstehen, auch wenn es Wilders Meinung nicht teile.(APA)