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Edouard-Leon Scott de Martinvilles Tonaufzeichnungen sehen auf dem ersten Blick nicht so aus, als könnte man ihnen noch Schall entlocken. Den US-amerikanischen Forschern gelang es dennoch.

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Der Audio-Historiker David Giovannoni und seine Fundstücke in der Französischen Akademie der Wissenschaften.

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Der Phonautograph von Edouard-Leon Scott de Martinville.

Foto: AP/David Giovannoni
San Francisco - Eigentlich wurden diese Tonaufzeichnungen nicht dafür geschaffen, wiedergegeben zu werden. Irgendwie schafften es die Wissenschafter trotzdem, aus dem Gekritzel auf einem Stück Papier Hörbares herauszuholen und die früheste Tonaufnahme einer menschlichen Stimme wiederzubeleben.

Dem US-amerikanischen Forscher-Team rund um David Giovanni und seinem Partner Patrick Feaster gelang damit eine Entdeckung, die die Geschichte der Tondokumentation in neuem Licht erscheinen lässt. Der sogenannte Phonautograph des französischen Forschers Edouard-Leon Scott de Martinville stammt aus dem Jahr 1860, aufgezeichnet wurde das von einer Frau gesungene Lied "Au Claire de la Lune". Die "Aufnahme" ist damit 17 Jahre älter als Thomas Edisons "Mary had a little Lamb", das bisher als erste Tonaufnahme galt.

Der beiden Audio-Historiker stießen bei Recherchen im französischen Patentamt auf Phonautographe Scott de Martinvilles aus den Jahren 1857 und 1859. Es gelang ihm und Technikern des Lawrence-Berkely-Labors nicht, diese zum Klingen zu bringen.

Er habe aber bemerkt, dass Scott von dem Gedanken getrieben war, als erster einen technischen Weg für Tonaufzeichnungen zu finden. Seine Arbeiten habe er auch der Französischen Akademie für Wissenschaften geschickt. Giovanni bat die Akademie, ihm digitale Aufzeichnungen von weiteren Dokumenten zu schicken. Am 1. März traf eine Lieferung ein, die "Au Claire de la Lune" enthielt. Das Aufnahmedatum ist auf dem Dokument vermerkt.

Schall aus Gekritzel

Von einem guten Klang kann man bei Phonautografen nicht sprechen; genau genommen hatte Scott nur beabsichtigt, Schall aufzuzeichnen, nicht jedoch ihn zu reproduzieren. Das schaffte erst die Erfindung von Thomas Alva Edison der seinen Phonographen 1878 patentieren ließ.

Den Forschern in Berkely, die auch schon an Edisons in Zügen aufgenommenen Phonographen gearbeitet hatten, gelang es trotzdem die in den Ruß einer Öllampe auf Papier mit einer Nadel geschriebenen Schallwellen erklingen zu lassen. Dafür scannten sie die Aufzeichnung und nutzten einen Computer zur Wiedergabe. Ein Programm mit einer Art digitaler Grammofon-Nadel übersetzte dabei das Gekritzel in Töne, eben jenem verrauschten Ausschnitt aus dem französischen Kinderlied "Au Clair de la Lune".

Die Aufnahme des Pariser Erfinders sollte am Freitag auf der Jahreskonferenz der Vereinigung für Tonaufzeichnungen der Stanford-Universität gespielt werden. (APA/red)