Fritz Kerschbaumer, Line-Dance-Weltmeister in Pose: Der ORF feiert Erfolge mit "Dancing Stars", die Tanzschulen platzen aus allen Nähten, deshalb gilt es, auf Exotisches auszuweichen.

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Über einen "irrsinnigen Run" freuen sich gegenwärtig Besitzer von Tanzschulen, erzählt Regisseur Werner Boote: "Die wissen teilweise nicht mehr, wo sie Säle herkriegen, und suchen verzweifelt Trainer." Mit den "Dancing Stars" hat der ORF viele von ihnen wohlhabend gemacht. Paartanzen ist gefragt und inzwischen - zu akzeptierende Nebeneffekte eines Booms - teuer wie nie.

Lindi und Line

Der Faszination des Tanzes erlag auch Boote. Sein Augenmerk richtete er aber nicht auf Walzer, Rumba oder Cha-Cha-Cha, sondern auf ausgefallenere Disziplinen: Wer kennt sich schon mit Lindi Hop, Krachen oder Line Dance aus?

Es bei Letzterem nicht zu tun, ist besonders schändlich. Lernen kann man Line Dance nämlich bei Fritz Kerschbaumer, dem amtierenden Weltmeister. "Kracher" begegnet man vornehmlich im Wiener Donauzentrum: Teenager, die sich im punktgenauen Rhythmus ihrer Handy-Töne recht akrobatisch bewegen.

Boote erkundete ein bisher wenig beachtetes Paralleluniversum und fand "Menschen, die einen Kultursektor ziemlich exzessiv leben". Zum Beispiel den männlichen Bauchtänzer, der zu orientalischen Klängen sein Becken virtuos erzittern lässt. Oder den charmanten Taxifahrer, der sich und die einsamen, älteren Damen im Tanzlokal "Schatzi" in Schwung hält. Der ORF zeigt "Die Kunst des Paartanzes" im Rahmen seines Kulturabends am Montag um 23.20, ORF 2 (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 31.3.2008)