Es ist ruhig, die Nachbarn streiten nicht. Ein Wachmann sorgt nicht nur für die persönliche, sondern – kameraunterstützt – auch für die Sicherheit ihres Mercedes und multilinguales Servicepersonal hält den Rasen auf englischem Niveau. Auch um ihr Sozialleben ist man besorgt: "Wir garantieren, dass Sie nur von Menschen umgeben sind, die die gleichen Werte teilen wie Sie".

Na, wie wäre das, ein angstfreies Leben in der "gated community"? Brauchen Sie nicht? Auch egal, denn im Grunde genießen Sie als Bürger der Europäischen Union diese Vorzüge bereits täglich.

Die Analogie zwischen EU und "gated communities" sei gar nicht so weit hergeholt, meint Emanuel Danesch, der diese Ähnlichkeit zum Thema von Livesafelyineurope macht. Beiden liege ein Struktur zugrunde, die Hierarchien zwischen "Einwohnern" und "Servicekräften" mit temporären Zugangsrechten sowie soziale und rechtliche Ungleichgewichte schafft.

In seiner, nach CSR Promise Responsibility und Outlines of a Homeland (gemeinsam mit David Rych), dritten Dokumentation kombiniert der bildende Künstler Material von den europäischen Außengrenzen (etwa der spanischen Exklave Ceuta) mit Szenen aus migrantischen, mit Mauern versehenen Ghettos (Padua und Kazanlak) und den abgeschlossenen Wohnarealen, "einer Künstlichkeit, die als Normalität suggeriert wird".

Wenn Danesch dazu noch die Ästhetik des "Second Life" kombiniert, wird daraus ein politischer Kommentar. Nicht etwa das grenzenlose Utopia wartet in der virtuellen Welt, sondern unsichtbare Zäune und Teleportation unwillkommener Gäste. Ein weiterer Kunstgriff ist der Off-Text, der EU-Schriften zu Grenzkontrolle und Sicherheit mit Werbetexten der "gated communities" zusammenbringt: Die Aussage "Wir bieten Flughafen-Pick-up und First-Class-Welcome-Services für exklusive Gäste" koppelt Danesch mit Bildern von Putins Ankunft beim G8-Gipfel 2007: Er provoziert damit ein Lachen, das im Hals steckenbleibt. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD/Printausgabe, 01.04.2008)