Wien - Die deutsche Talanx-Versicherungsgruppe strafft in Österreich ihre Struktur und will kräftig zulegen. Ab 2009 werden in der Sach- und Industrieversicherung jährliche Wachstumsraten von rund 5 Prozent angepeilt, 2008 dürfte noch ein Jahr der Konsolidierung werden, sagte der Vorstandsvorsitzende der HDI Hannover Versicherung Wien, Günther Weiß, heute, Montag, bei einer Pressekonferenz. Von Österreich aus gesteuert wird auch das Industrieversicherungsgeschäft in den mittelosteuropäischen Nachbarländern.

Im Sachversicherungsgeschäft werden die Gerling Niederlassung und die HDI Hannover rückwirkend per 1. Jänner 2008 zusammengelegt, die rechtliche Übernahme von Gerling durch HDI Hannover wurde heute durch den Aufsichtsrat abgesegnet. Die beiden Unternehmen erreichten im Vorjahr zusammen ein Prämienvolumen (inklusive Auslandsgeschäft) von rund 200 Mio. Euro. Zusammen mit den beiden Lebensversicherungsgesellschaften HDI Gerling Leben sowie Aspecta kommt der Talanx-Konzern mit seinen österreichischen Gesellschaften auf ein Prämienvolumen von rund 415 Mio. Euro.

Ab Juni dieses Jahres wird man in Österreich im Sachgeschäft unter HDI auftreten. In Österreich sind bei der HDI Hannover derzeit 223 Mitarbeiter beschäftigt, dazu kommen noch 26 in den ausländischen Gesellschaften sowie 45 Gerling-Mitarbeiter. Die Kundenzahl liegt bei rund 400.000 und soll bis 2010 auf 500.000 steigen. Verkauft werden die Versicherungen über Makler, es gibt keinen eigenen Außendienst. Eine Fusion aller österreichischen Gesellschaften bzw. Niederlassungen ist nicht geplant.

Konsolidierungsphase

HDI Österreich erzielte 2007 (ohne Gerling) abgegrenzte Bruttoprämien von 146,7 (144,1) Mio. Euro, ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) von 7,8 (11,8) Mio. Euro und einen Jahresgewinn nach Steuern von 7,6 (8,3) Mio. Euro. Die nur im Industriegeschäft tätige HDI Gerling wies Prämien von 43,4 Mio. Euro, ein EGT von 13,98 Mio. Euro und einen Nachsteuergewinn von 11,15 Mio. Euro auf. Der Brutto-Schadensatz lag bei HDI Österreich (ohne Gerling) bei 67,7 Prozent, bei HDI Gerling waren es 71 Prozent.

Für heuer erwartet Weiß angesichts des relativ schwachen Industrieversicherungsmarktes eine Konsolidierungsphase. Ab 2009 sollten aber - inklusive Auslandsgeschäft - jährliche Zuwachsraten von rund 5 Prozent möglich sein.

Im Autoversicherungsmarkt will die HDI heuer mit einem Jubiläums-Rabatt punkten. Für Neukunden bzw. bei einem Fahrzeugwechsel gibt es zum 25-jährigen-Bestehen der HDI in Österreich Rabatte von 10 bis 15 Prozent. Bisher hat das im Neugeschäft rund 4.000 Kunden gebracht.

Wachstum durch Zukäufe

Der Talanx-Konzern ist die drittgrößte deutsche Versicherungsgruppe mit einem Prämienvolumen von rund 20 Mrd. Euro. Man wolle weiter durch Akquisitionen wachsen, wichtig sei es aber, auch die Profitabilität zu halten, sagte Jens Wohlthat, Vorstand der deutschen HDI-Gerling Industrieversicherung und Aufsichtsratsvorsitzender der Wiener HDI Hannover Versicherung AG. Der Osteuropa-Anteil ist derzeit noch gering. Der deutsche Konzern hat im ersten Quartal eine Sachversicherungsgesellschaft in der Ukraine erworben. Von Wien aus gesteuert wird derzeit das Industriegeschäft in Tschechien, Ungarn, der Slowakei und Slowenien. Niederlassungen hat HDI Österreich in Tschechien, der Slowakei und Ungarn.

Mit dem Jahresabschluss 2008 will der Versicherer börsefähig sein, es gebe aber keine Eile für einen Börsegang. Bei einem Going Public über eine Kapitalerhöhung würden jedenfalls weniger als 50 Prozent in den Streubesitz gelangen. Konzern-Chef Herbert Haas hatte Mitte März erklärt, dass das Börseumfeld für Versicherer derzeit nicht das Beste sei und ein Börsegang 2009 sicher wahrscheinlicher sei als 2008. (APA)