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Will der EU klimamäßig einheizen: Voest-Chef Wolfgang Eder.

Foto: APA/Fohringer
Wien - Dank der Übernahme des Edelstahlkonzerns Böhler-Uddeholm hat Voestalpine die Zehn-Milliarden-Umsatzschwelle bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr (31. März) übersprungen. Bis 2015 rechnet Voest-Generaldirektor Wolfgang Eder trotz anhaltender Verteuerung der mit einer Umsatzausweitung auf 15 Milliarden Euro bei einem durchschnittlichen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 15 Prozent.

Diese Steigerungsraten seien unabhängig vom Bau eines Stahlwerks am Schwarzen Meer realistisch, betonte Eder im Klub der Wirtschaftspublizisten. Standortwahl (zur Disposition stehen Bulgarien, Rumänien, Türkei und Ukraine) und Investitionsentscheidung sollen heuer im zweiten Halbjahr erfolgen, wenn die Wirtschaftlichkeitsberechnung vorliegt. Letztere hängt maßgeblich von der EU ab. Bringe die EU-Kommission für die Industrie heuer kein Benchmark-System mehr zustande, bei dem vor allem die Umweltsünder CO2-Zertifikate kaufen müssen (während die effizientesten Produzenten mit Gratiszertifikaten belohnt werden, Anm.), müsse man die Entscheidung sistieren. "Das neue Stahlwerk ist kein Prestigeobjekt", stellte Eder klar.

"Nicht zumutbar"

"Auf Eis legen" würde Voestalpine in dem Fall auch die zweite Phase des Ausbauprogramms L6 in Linz mit einem Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Euro (300.000 bis 400.000 Tonnen Stahlproduktion). Und zwar so lang, "bis die EU entschieden hat, ob sie Europas Industrie vertreiben will, oder nicht", wie Eder pointiert formulierte. Dass die Kommission das detaillierte Emissionsregime ab 2012 ("Post-Kioto") jetzt noch nicht festlegen könne, weil dazwischen die EU-Kommission neu besetzt wird, lässt Eder nicht gelten: "Einen Hochofen baut man nicht für fünf Jahre. Es ist daher nicht zumutbar, dass alle drei oder fünf Jahre an den Rahmenbedingungen gedreht wird. Die Rahmenbedingungen bis 2020 müssen jetzt fixiert werden." Drei Jahre keine Investitionsentscheidung, das könne sich niemand leisten.

Vor diesem Hintergrund wäre die Voest mit einem Stahlwerk in der Ukraine (von dort bezieht sie 35 bis 40 Prozent ihres Erzbedarfs, der Rest kommt aus Südafrika, Brasilien und natürlich vom steirischen Erzberg) oder in der Türkei auf der sichereren Seite. Wiewohl mit den Planungsarbeiten bereits Heerscharen von Voestlern beschäftigt sind, drängen will sich Eder nicht lassen. Mittelfristig könne man die Marktführerschaft in Mittel- und Osteuropa von Linz aus absichern, langfristig sei das ohne neuen Standort nicht möglich.

Am angestrebten Verteilungsschlüssel 40 Prozent Stahlproduktion, 60 Prozent Verarbeitung soll sich auch nach der Ausweitung der Produktionskapazität nichts ändern, mit Böhler sei die Verarbeitung gestärkt worden. Anzeichen eines Konjunkturabschwungs will Eder noch nicht bemerkt haben, die Nachfrage sei unverändert groß, das zeigten auch die Preise. Erze wurden per April um 62 teurer, Kohle um 200 Prozent. Aber: Noch sei die Realwirtschaft von der Kapitalmarktkrise nicht berührt. "Das ist eine Bankenkrise." (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.4.2008)