Der ORF baut derzeit sein Online-Angebot aus. Ab Mitte des Jahres sollen via Internet nicht nur Nachrichten, sondern auch Magazine und Talkformate abrufbar sein. Bis zu 30 Sendungen will der ORF laut seinem On Demand-Beauftragten Hubert Nowak online zur Verfügung stellen und damit nachholen, was international bereits gängige Praxis ist. In Sachen Podcast hinkt der ORF indes noch hinterher. Bewegte Bilder für I-Pod und Co wird es frühestens in einem Jahr geben, glaubt Nowak. Grund: Die Rechtesituation muss erst geklärt werden.

Im Speziellen geht es um die Verträge für zugekauftes Material: "Wir kaufen in der Regel nur Rechte für die Ausstrahlung, nicht aber fürs Speichern", erklärt Nowak. Wer Sendungen auf einen I-Pod oder MP3-Player herunterlädt, speichert das Material - das würden die derzeitigen Verträge nicht zulassen.

Zusätzliche Rechte

ARD, ZDF sowie andere öffentlich-rechtliche und private Sender wie RTL bieten ihre Nachrichten sowie Comedy-, Talk- und Religionsmagazine seit längerem zum Downloaden für I-Pod oder MP3-Player an. Die Hauptnachrichtensendungen der großen US-Networks ABC, CBS und NBC können auf diese Art ebenfalls in Österreich gesehen werden. Das ZDF hat für sein Podcast-Angebot zusätzliche Rechte erworben. Der Aufpreis sei aber kaum der Rede wert, findet Jürgen Kleinknecht, Projektleiter Streaming beim ZDF im APA-Gespräch.

Dank des Podcast-Angebotes können die Sender vor allem mit ihren News ein "deutlich jüngeres Publikum erreichen, als unser Stammpublikum", bilanziert Kleinknecht. Am häufigsten werde nämlich das ZDF-Nachrichten-Steckenpferd "Heute-Journal" und das Polit-Magazin "Frontal 21" samt der politischen Satire "Toll!" heruntergeladen.

Altersstruktur

Wünschenswert wäre so ein Podcast-Angebot freilich auch für Programmmacher beim ORF. Ein Blick auf die Altersstruktur der Zuschauer bei den ORF-Nachrichten erklärt, warum: Der Altersschnitt der "Zeit im Bild"-Zuschauer lag heuer (1. Jänner bis 3. April) bei 60 Jahren und damit genau so hoch wie bei der "ZiB 2". Das Publikum der "ZiB 20" war zwar deutlich jünger, mit 43 Jahren im Durchschnitt aber doch über den jüngsten Zielgruppen. Bei der mitternächtlichen "ZiB 24" lag der Altersschnitt bei 49 Jahren. Zu berücksichtigen ist dabei allerdings, dass das Durchschnittsalter jener Menschen, die zwischen 19.30 Uhr und 24 Uhr überhaupt fernsehen, laut ORF bei 50 Jahren liegt.

"Geoblocking"

"Eine Redaktion wünscht sich immer, dass ihre Arbeit von vielen gesehen wird - aber ohne Klärung der Rechtefrage lässt sich gar nichts machen", sagt Waltraud Langer, Infochefin von ORF 1, auf APA-Nachfrage über ein mögliches Podcast-Angebot. Bei der Rechtefrage geht es für den ORF nicht nur um zusätzliche Kosten - hinzu kommt, dass der Sender zumeist nur Rechte für eine österreichweite Ausstrahlung hat. Via Internet wären Sendungen aber weltweit abrufbar. Im Video-on-demand-Bereich will der ORF dieses Problem mit Hilfe eines "Geoblocking" lösen. Das heißt, dass gewisse Formate, wie etwa das "Weltjournal", ausschließlich von Österreich aus abgerufen werden können. Bei Podcast ist das derzeit noch nicht möglich.

Dass man auch beim ORF in Zukunft nicht auf Podcasts verzichten kann, ist den Verantwortlichen bewusst. Bis es im Fernsehen - die ORF-Radios Ö1, Ö3 und FM4 bieten Audio-Podcasts bereits seit längerem an - so weit ist, werde aber sicher noch ein Jahr verstreichen, meint Nowak. Zunächst geht der Sender den Ausbau des on-demand-Angebots an. Innerhalb der nächsten Monate sollen bis zu 30 Eigenproduktionen wie etwa der "Club 2", "Im Zentrum" oder Comedy-Formate aus der Donnerstag-Nacht jeweils eine Woche lang im Netz zur Verfügung stehen. (APA)