Wien - Die Wiener Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank übt massive Kritik an der von der Bundesregierung angedachten Vermögenszuwachssteuer. Diese sei "absolut problematisch", betonte sie im Gespräch mit Journalisten: "Eine Steuerreform kann man nicht damit beginnen, dass man eine neue Steuer einführt." Sie würde zudem auch den Mittelstand - etwa kleinere Unternehmer - treffen, zeigte sich Jank überzeugt.

"Ich rechne auch mit negativen Auswirkungen auf den Aktienmarkt", so Jank weiter. Außerdem seien auch Vermögensverschiebungen und Nachteile für den Konsum zu befürchten. Eine Entlastung der Steuerzahler würde hingegen positive Impulse für die Wirtschaft bringen. "Und auch mehr Steuereinnahmen", betonte die Wiener Wirtschaftskammerpräsidentin. Sie hoffe jedenfalls, dass die neue Steuer auf Wertpapiergewinne nicht komme.

Generell warnte sie davor, bei der angekündigten Steuerreform "auf die Unternehmer zu vergessen". Die Attraktivität eine Wirtschaftsstandortes werde maßgeblich von seinen steuerlichen Rahmenbedingungen geprägt. Als Forderungen nannte sie die Einführung eines steuerbegünstigten Jahressechstels für Unternehmer und eine Senkung des Spitzensteuersatzes.

Kritik

Jank kritisierte, dass Dienstnehmer gegenüber Selbstständigen im Steuerrecht noch immer besser behandelt werden - durch die reduzierte Steuer beim 13. und 14. Monatsgehalt. Jank forderte, diese "Ungleichbehandlung" zu beenden: Ein Siebentel des Gewinns eines Unternehmers solle nur mit sechs Prozent versteuert werden.

Dies würde auch die Bildung von Eigenkapital erleichtern, zeigte sich die Wiener Wirtschaftskammerpräsidentin überzeugt. Berechnungen der Kammer zeigen demnach, dass bei der Berücksichtigung des Jahressechstels die steuerliche Entlastung für Betriebe bis zu mehrere tausend Euro ausmache.

Erhöhung der Einkommensgrenze

Eine derartige Begünstigung würde laut Jank für rund 86.000 Unternehmer gelten, die der Einkommensteuer unterliegen. In diesem Zusammenhang forderte sie auch die Senkung des Spitzensteuersatzes von 50 auf 45 Prozent. Gleichzeitig solle die Einkommensgrenze erhöht werden - auf zumindest 80.000 Euro.

Sollten beide Forderungen umgesetzt werden, würde sich daraus laut Jank Einsparungen von insgesamt 293 Mio. Euro allein in Wien ergeben. In ganz Österreich würden Steuerzahler laut Kammer-Schätzungen bis zu einer Milliarde Euro weniger abliefern müssen. "Unser Modell setzt eindeutig positive Signale an die Leistungsbringer", versicherte die Kammerpräsidentin. (APA)