Graz - "Herr Boxan, die Gräfin braucht sie." Ein Abgesandter von Andrea Herberstein habe ihn mit diesen Worten zu Hause in Graz aufgesucht, um ihn ins Gut Herberstein zurückzuholen. Sein Wissen sei offenbar gefragt gewesen, damals Mitte der 90er-Jahre, wie Boxan am Donnerstag in seiner ersten Einvernahme vor Richterin Elisabeth Juschitz im "Herberstein-Prozess" breit ausführte. Boxan wusste über alles Bescheid.

Er hatte später jahrelang Belege, Rechnungen und Schwarzgeldtransfers kopiert, gesammelt und schließlich im Rahmen einer Selbstanzeige zu Gericht gebracht. Auch ihm wird, wie Andrea Herberstein, unter anderem Betrug vorgeworfen.

Er sei mit "minimalistischem Wissen" über Buchhaltung nach Herberstein gekommen. Zuvor habe er als "HAK-Abbrecher" das Landkino seiner Eltern betrieben. Auf Gut Herberstein sei er in die Grundzüge der Buchhaltung eingewiesen worden, vom ehemaligen Gutsverwalter, der ihm auch die Führung der "Motocross-Kasse" überantwortete. Eine Schwarzgeldschatulle, mit der unter anderem das Hobby des Ex-Chefs, das Motocrossfahren, mitfinanziert worden sei. Mit buchhalterischer Akribie - rechts neben ihm hat er im Gericht eine Wand aus Akten aufgebaut - schildert Boxan, wie er der Schwarzgeldpraxis auf die Spur kam. Das reichte von Beobachtungen über "Schwarzbeer-Zukäufe", womit das Buschenschankgesetz umgangen worden sei, bis zu Jagden und "Scheinwaldbewirtschaftungen". Er habe dann System in die "Nero-Kasse" gebracht.

Andrea Herberstein hatte einige Stunden zuvor Boxan die Hauptverantwortung für die Umschreibung von Rechnungen zugeschrieben - wiewohl auch sie einzelne Rechnungen umschrieb. Warum Rechnungen überhaupt verändert worden sind und manipuliert für Förderungen vorgelegt wurden, blieb aber teilweise unaufgeklärt. Herberstein sagte, Originalrechnungen hätten bisweilen mehr gefördert werden können. Zum anderen seien Rechnungen mit 300 Euro gefördert worden, während jetzt in alten Buchhaltungsunterlagen Rechnungen über "förderfähige" 700.000 Euro aufgetaucht seien, die gar nicht eingereicht wurden. (Walter Müller, DER STANDARD - Printausgabe, 11. April 2008)