Jetzt haben wir es schwarz auf weiß. Zwar nicht zum ersten Mal – aber da der Rechnungshof die Folgen des (so gut wie sicheren) Verfehlens der österreichischen Klimaschutzziele aus der Geldbörsenperspektive heraus aufzeigt, hat die Message gewisse Chancen, bei den Empfängern anzukommen: Die Nachricht, dass Österreichs umweltpolitische Lorbeeren von einst vertrocknet sind und dass drängende Herausforderungen bestehen, deren Handling ohne Umdenken und Umlenken in weiter steigende Treibhausgas-Emissionen und damit in ein teures CO2-Fiasko zu münden droht.

So hat etwa der Stolz auf den CO2-freien, weil überwiegend aus Wasserkraft stammenden heimischen Strom mit dem seit Jahren um je zwei bis drei Prozent steigenden Stromhunger zum Teil seine Berechtigung eingebüßt. Dort nämlich, wo die heimische Produktion für den Bedarf nicht mehr ausreicht, wo also Strom importiert werden muss. Das ist an sich nichts Despektierliches, doch wenn – wie es real der Fall ist – Teile dieser Importe aus Atomstrom stammen, sollte man in einem Land, das einst überzeugend und in Europa bahnbrechend "Atomkraft nein danke!" sagte, ernsthaft aufs Stromsparen setzen. Nicht zuletzt der Glaubwürdigkeit wegen.

Beim CO2-Sparen durch Wärmedämmung von Gebäuden wiederum reicht es offenbar nicht aus, auf regionales Öko-Verantwortungsgefühl zu setzen. Im Verzögern und gegenseitigen Verantwortungszuschieben zeigen sich hier die Schattenseiten des Föderalismus. Das ist umso peinlicher, als die EU gerade im Dämmbereich ehrgeizige Ziele vorgibt. Minus 20 Prozent Treibhausgasausstoß von Gebäuden bis 2010, wie soll sich das in Österreich noch ausgehen? Und auch der Stau auf den Straßen in der Stadt und auf dem Land beweist täglich, dass Österreich ein Absturz vom Umweltstar zum Klimastinker bevorsteht – wenn nicht kräftig gegengerudert wird. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.4.2008)