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"Darf's vielleicht auch eine Versicherung fürs Auto sein?" Neben Obst und Wurst bieten Handelsketten jetzt auch Finanzprodukte an. Konsumentenschützer haben aber Bedenken.

Fotos: dpa, EPA, Fischer; Montage: STANDARD/Beigelbeck
Wien - Tchibo hat es getan, Spar tut es, und Hofer plant es. Der Handel nimmt Schritt für Schritt Finanzprodukte in sein Sortiment auf. Gerade hat Hofer mit der Ankündigung überrascht, neben Lebensmitteln auch Versicherungen ins Sortiment aufnehmen zu wollen. Dem Vernehmen nach sollen die ersten Produkte noch heuer in die Regale kommen.

Noch ist nicht bekannt, welche Art von Versicherungen Hofer genau anbieten möchte. Die deutsche Hofer-Mutter Aldi jedenfalls will demnächst mit Privathaftpflicht-, Un- fall-, Haushalts- oder Reiseversicherungen an den Start gehen.

Konsumentenschützer skeptisch

Angebote, die nicht nur auf Zustimmung stoßen. "Die Begeisterung über solche Angebote hält sich in Grenzen", sagt etwa Harald Glatz, Leiter der Abteilung für Konsumentenschutz der Arbeiterkammer Wien. Man müsse sich natürlich die Versicherungsprodukte im Detail anschauen, prinzipiell gelte, je komplexer ein Produkt, desto problematischer sei der Vertrieb über den Handel. Glatz: "Wer eine Versicherung abschließen möchte, soll sich ordentlich informieren und verschiedene Angebote einholen." Einzig bei Reiseversicherungen sei die Sache nicht so problematisch, da das Produkte sind, die man auch im Reisebüro quasi "von der Stange" kaufen kann.

Für Rudolf Mittendorfer, Geschäftsführer vom Versicherungsmakler und Vermögensberater Verag, ergeben sich aus solchen Konstruktionen vor allem rechtliche Probleme. "Geht es nicht um Reiseversicherungen sondern um komplexere Produkte, ist für jede Filiale die Frage der Vermittlung zu klären", sagt er zum Standard.

Denn laut der EU-Versicherungsrichtlinie vom Jänner 2005 dürfen Versicherungen nur von berechtigten Vermittlern verkauft werden. Mittendorfer: "Der Handel muss einsehen, dass für den Verkauf von Versicherungen eine qualifizierte Beratung und eine gewerbliche Berechtigung notwendig ist." Alles andere sei "Pfusch, und gegen den werden wir vorgehen".

Informationspflichten

Einen Unterschied macht es, ob Versicherungen in einer Filiale oder via Homepage der Handelskette verkauft werden. Für einen Online-Verkauf braucht man zwar auch die Genehmigung für die Vermittlung, "sind aber alle Informationspflichten erfüllt, kann kein Vorwurf erhoben werden", erklärt Mittendorfer. Sind diese Pflichten nicht erfüllt, ist der abgeschlossene Vertrag ungültig.

Der Vorstoß von Hofer ist nicht der erste Versuch, Versicherungen über den Handel zu vertreiben. Die Handelskette Merkur hatte für kurze Zeit Versicherungen im Angebot, auch der Buchdiskonter Libro und die Tierhandelskette Fressnapf.

Bei der Allianz etwa nimmt man den Einstieg von Hofer ins Versicherungsgeschäft gelassen. "Wir setzen auf qualitative Beratung, die bei den komplexer werdenden Versicherungsprodukten immer wichtiger wird", sagt Wolfram Littich, Vorstandsvorsitzender des Versicherers. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.4.2008)