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Im 19. Jahrhundert, als die Donau noch nicht reguliert war, war die jetzige Alte Donau der Donau-Hauptarm. Der Name 'Kaisermühlen' zeugt aber noch davon. Der Hafen ist dann in Vergessenheit geraten

Foto: Reuters/ HERWIG PRAMMER
Wien - Kaum hat die Segel- und Bootssaison an der Alten Donau begonnen, tuckern schon Boote auf dem Wasser. Bloß, dass die Truppe, die heute, Mittwoch, in Fluss sticht, keine gewöhnlichen Ausflügler sind.

Verschollene Dampfschiffstation

Ein Team von Wissenschaftern, bestehend aus Wasserarchäologen und Geophysikern, macht sich in den kommenden Tagen auf die Suche nach einer verschollenen Dampfschiffstation an der Alten Donau, die es seit rund 150 Jahren nicht mehr gibt. Cyril Dworsky, Projektleiter und Vorsitzender der Gesellschaft für Feuchtboden- und Unterwasserarchäologie (Triton) hat aber noch ein anderes Anliegen. Er möchte an der möglichen Fundstelle neue Methoden von akustischen Suchsystemen erproben. "Dadurch müssen wir nicht graben, sondern wissen über den Zustand einer Fundstelle vorher Bescheid". Dworsky hofft, im Abschnitt zwischen dem Strandbad Gänsehäufel und Kaisermühlen fündig zu werden.

Im 19. Jahrhundert, als die Donau noch nicht reguliert war, war die jetzige Alte Donau der Donau-Hauptarm. Dort war die Anlegestelle für den Personenverkehr. Nach dem Donaudurchstich 1875 wurde der Hafen aufgelassen, denn die Alte Donau wurde vom Fließgewässer abgeschnitten. "Auch die Schiffsmühlen verloren damals ihre Existenzgrundlage. Der Name 'Kaisermühlen' zeugt aber noch davon. Der Hafen ist in Vergessenheit geraten", sagt Dworsky.

Suche mit Schall

Auf wenigen alten Karten ist der Hafen noch verzeichnet. Er befand sich zwischen dem später aufgeschütteten Großen Gänsehäufel und dem südlichen Ufer der Alten Donau.

Die Reste des Hafens - Holz, Mühlsteine oder Mauerreste - will das Team von Triton mithilfe von Sonarsystemen finden. Die Methoden sollen aber so verfeinert werden, dass auch kleine Störungen lesbar werden. Buddeln, vielmehr bohren, will Dworsky trotzdem. Um etwas über den Verlauf der Bodenschichten zu erfahren, wird ein mit flüssigem Stickstoff gefüllter Stahlspieß in den Boden gebohrt, damit der Boden rundherum einfriert. Mit einer Sonde werden dann die Schichtproben ans Tageslicht gebracht. Dworsky: "Wenn wir Glück haben, friert auch ein Stück Holz an, das wir im Labor datieren können." (mil/ DER STANDARD Printausgabe 17.4.2008)