Wien – Die Bespitzelung von Mitarbeitern im deutschen Handel weitet sich aus. Nach einem Bericht des Magazins Stern seien auch bei Penny, Netto, Norma, Rewe, Tegut und Hagebau Beschäftigte illegal überwacht worden. Rewe räumte einen Einsatz von Detektiven, die auch in Privatsphären von Mitarbeitern eingedrungen seien, ein. Eine Arbeitsgruppe werde Licht ins Dunkle bringen. Die Überwachung sei aber nicht zentral von Köln aus gesteuert worden.

Die Affäre rund um Bespitzelung bei Lidl habe dem Diskonter auch in Österreich geschadet, gibt Lidl-Chef Hanno Rieger offen zu. Er schließt für Österreich derartige Überwachungsmethoden einmal mehr aus. Die Gewerkschaft macht bei Lidl Österreich nun aber Druck für die Gründung eines Betriebsrats. Sie werde der Kette Vorschläge vorlegen und Wahlen in die Wege leiten, sagt Handelsgewerkschafter Karl Proyer dem STANDARD. Aussagen Riegers, die Mitarbeiter wünschten keinen Betriebsrat, seien die "ewig gleiche Leier. Letztlich stehen dann Rechtsanwälte da, die Namen der Wähler notieren."

Arbeitsrechtliche Verstöße des Diskonters in Österreich seien ihm nur wenige bekannt, doch kaum einer habe wirklich Einblick. Der Versuch vor zwei Jahren, einen Betriebsrat zu gründen, sei im Sand verlaufen. Rieger zeigt sich offen für Gespräche. "Wir verhindern keine Betriebsräte." Er wehre sich aber gegen Eingriffe von außen. Ob es sinnvoll sei, in jeder Filiale mit wenigen Mitarbeitern Betriebsräte zu installieren, sei dahingestellt. Lidl setzt in Österreich mit 170 Filialen und 1900 Mitarbeitern geschätzt 500 Mio. Euro um. Jährlich sind 15 bis 20 neue Märkte geplant. An Zielpunkt/Plus sei sein Konzern nicht interessiert, sagt Rieger. "Die Flächen passen nicht zu uns." Dass Rewe und Spar ihre Einkaufsmacht ausbauen, belaste ihn nicht. Auch Lidl habe mit 7000 Standorten europaweit ein starkes Einkaufspotenzial. (vk, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.4.2008)