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Foto: AP/Borgia
Hat ein von ihr zubereitetes Sushi - wie Boulevardzeitungen suggerieren - Silvio Berlusconi den Kopf verdreht? Zweifel sind angebracht. Denn Frauen wie die Süditalienerin Mara Carfagna (33) üben auf Silvio Berlusconi auch ohne Sushi eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Fest steht: In die frühere TV-Moderatorin aus Salerno ist der Medienmogul geradezu vernarrt.

2006 stieß das "Showgirl" zur Parlamentsfraktion der Berlusconi-Partei Forza Italia. Als Berlusconi Carfagna unter Hinweis auf ihr Studium der Rechtswissenschaften zur Sekretärin des Verfassungsausschusses beförderte, gab es bereits Getuschel. Den größten Eklat provozierte die junge Abgeordnete aber ohne eigenes Zutun. Bei einer Fernsehgala lösten plumpe Anbiederungen des Cavaliere im Jänner 2007 einen öffentlichen Ehekrieg bei den Berlusconis aus. "Mit dir würde ich überall hingehen, auch auf eine einsame Insel", versicherte er Carfagna vor laufenden Kameras. Und fügte hinzu: "Ich würde dich sofort heiraten - wenn ich nicht bereits verheiratet wäre."

Für die Demütigung rächte sich Berlusconis Frau Veronica Lario mit einem Schreiben an die linke Zeitung La Repubblica. Weil sie "keine private Entschuldigung erhalten" hatte, forderte sie in ihrem erbosten Brief eine öffentliche. Die traf umgehend ein. Er erkenne "die Würde seiner Frau als öffentliches Gut an", auch wenn er sich manchmal "zu leichtfertigen Sprüchen hinreißen" lasse, erklärte Berlusconi.

Für den Cavaliere war die Operette damit zu Ende. Nicht aber für Mara Carfagna. "Es ist beschämend, sogar in der New York Times mit Berlusconi abgebildet zu werden." Unterstellungen, wonach sie mit dem Parteichef eine besondere Freundschaft verbinde, verweist sie ins Reich der Fantasie. Im süffisanten Grinsen, insbesondere mancher Kolleginnen, erkennt sie Neid: "Man greift mich an, weil ich hübsch bin." Ihren Mentor, den sie für einen "außerordentlichen und charismatischen Mann" hält, würde sie "auf der Stelle heiraten". Aber nur "wenn er gleichaltrig und nicht verheiratet wäre". Sie sehe in Berlusconi eher einen zweiten Vater - "ohne dass ich mit meinem unzufrieden wäre". Dieser - ein Schuldirektor - hatte seiner Tochter empfohlen, in die Politik zu gehen.

Bei der Parlamentswahl war Carfagna mehr Erfolg beschieden als bei der Kür zur Miss Italia, wo sie Sechste wurde. Trotz erschienener Nacktfotos legt sie Wert auf ein seriöses Image. "Mir wurde nichts geschenkt", verteidigt sie sich unter Verweis auf Doktortitel und Klavierausbildung. Zu glauben, Moderatorinnen von Unterhaltungssendungen seien dümmlich, hält sie für "ein italienweit verbreitetes Vorurteil". Indiskretionen, wonach Italiens neuer Premier die schwarzhaarige Schönheit als Ministerin in sein Kabinett berufen will, will sie nicht kommentieren. (Gerhard Mumelter/DER STANDARD, Printausgabe, 17.4.2008)